Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

167

Das  Merkwürdigste  am  ganzen  Gebäude  waren  und  sind  heute  noch
die  Keller.  Ein  für  beide  Häuser  gemeinsamer  Keller  nahm  den  ganzen
Raum  unter  den  beiden  Höfen  ein.  Außerdem  hatte  jedes  Haus  seinen
eigenen  Hauskeller,  der  je  die  Hälfte  der  bebauten  Fläche  einnahm.  Im
Flur  des  Rothschildschen  Hauses  befindet  sich  gleich  hinter  der  Haustüre
eine  große  Falltüre,  die  zum  Rothschildschen  Hauskeller  führt.  Hinter  dieser
Falltüre  ist  der  Treppenaufgang  und  unter  diesem  befindet  sich  eine  Öffnung,
durch  die  man  einen  überwölbten  schmalen  Gang  betritt.  Dieser  Gang
führt  im  Gewölbewinkel  des  Hauskellers  dicht  an  der  Mauer  entlang  zum
Hofkeller,  der  auch  vom  Nachbarhaus  durch  einen  gleichartigen  geheimen
Gang  erreichbar  ist.  Man  konnte  also,  ohne  die  Straße  zu  passieren  und
ohne  die  Hofmauer  zu  übersteigen,  von  einem  Haus  in  das  andere  gelangen.
Auch  konnten  bei  einer  Haussuchung  die  etwa  im  Hofkeller  verborgenen
Sachen  nicht  ohne  weiteres  entdeckt  werden,  denn  die  Eingänge  zu  den
geheimen  Gängen  waren  leicht  durch  einen  Schrank  oder  sonstiges  Gerät
zu  verbergen,  und  eine  Verbindung  zwischen  Hofkeller  und  den  beiden
Hauskellern  gab  es  nicht.  War  aber  Gefahr  vorhanden,  so  konnte  alles,
was  sich  im  Hofkeller  befand,  ins  Nachbarhaus  und  weiter  befördert  werden.
2.  Daß  nicht  nur  das  Haus  Nr.  148  zum  grünen  Schild,  sondern  auch
das  Haus  Nr.  147  zur  goldenen  Arche  zwecks  Restaurierung  angekauft  wurde,
erklärt  sich  daraus,  daß  die  Zwerchhäuser  beider  Gebäude  von  einem
Giebel  überdacht  waren  und  somit  zusammen  wieder  hergestellt  werden
mußten,  wenn  man  das  häßliche  Aussehen  eines  halben  Giebels  vermeiden
wollte.  Die  Grundfläche  der  beiden  anliegenden  Gebäude  146  zur  Sichel
und  149  zum  roten  Hirsch  wurde  miterworben,  weil  die  beiden  umzubauenden ­
  Häuser  seitlich  durch  neue  Brandmauern  geschützt  werden  sollten,  die
naturgemäß  auf  den  Nebengrundstücken  zu  errichten  waren.  Daß  außer  146
auch  noch  145  zum  roten  Löwen  auf  Abbruch  gekauft  wurde,  geschah  deshalb,
weil  diese  beiden  Häuser  sich  nicht  nur  äußerlich  wie  ein  einziges  darstellten, ­
  sondern  auch  in  die  Trennungswand  Türen  gebrochen  waren,  um
die  Innenräume  miteinander  in  Verbindung  zu  bringen.
3.  Gumpertz  Zuntz  war  im  Jahr  1856,  als  die  Stiftung  ins  Leben  trat,
Stiftungsbeamter  geworden,  und  die  Almosen  Verteilung  fand  ursprünglich
in  seiner  Wohnung  statt,  die  dem  Stammhaus  gegenüber  lag.
Rothschilds  Vorfahren.
4.  Von  Isak  Elchanan  (f  1585)  heißt  es  in  seiner  Grabschrift  nach
Freimanns  Übersetzung:  „Während  seines  ganzen  Lebens  wandelte  er  in
Unschuld,  in  Recht  und  Redlichkeit  waren  seine  Worte,  bekannt  in  Israel
war  R.  Isak  ...  in  der  Ehre  seines  Namens.“  Sein  Enkel  Naftali  H  i  rz  (f  1685)
„war  ein  tadelloser  Mann,  der  in  Handel  und  Wandel  Treue  bekundete,  er
gehörte  zu  denen,  die  Almosen  unter  Armen  und  Dürftigen  verteilen“  (Memorbuch).
  Moses  Kaimann  Rothschild  (f  1735)  „war  tadellos  in  seinem  Schaffen
und  Wirken,  des  morgens  und  abends  betete  er  zu  Gott  dem  Hochthronenden.
Jahre  hindurch  lag  er  auf  dem  Siechbette  und  hat  in  Liebe  und  Vertrauen
alle  Prüfungen  von  dem  Erhabensten  der  Erhabenen  ertragen“  (Memorbuch).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.