62
gesonderten Papiere in 54 Paketen. Ein Paket war ohne jede Be
zeichnung, ein anderes trug die Chiffre F. F. Fritzlar A. B. C. et D.,
ein drittes war versiegelt und enthielt die Vollmachten zur Über
tragung der Fondoner Stocks. Sechs Pakete enthielten Staatspapiere
der Gräfin Schlotheim und der unrechtmäßigen Kinder Wilhelms 1.,
der Hessenstein, Heimrodt und Haynau. Die Unterpfänder von
Meyer Amschel Rothschild, Michel Simon und Herz Meyer, die
inzwischen Eigentum des Kurfürsten geworden waren, machten
elf Pakete aus. Den fürstlichen Kassen kamen fünf Päcke mit
Obligationen und 29 Päcke mit Zinskupons zu. Soweit die beiden
letzten Kategorien genauere Inhaltsangaben aufweisen, enthielten
sie 445 Obligationen, 1177 Kuponbogen und 778 einzelne Kupons.
In der Hauptsache waren dies darmstädtische, dänische, land-
ständisch-baierische und kaiserlich königlich holländische Papiere.
Alles wurde in zwei Partien am 3. und 6. Dezember nach Kassel
gebracht. Mensing selbst leitete die Transporte. Er packte die
meisten Pakete in Säcke und füllte diese mit Hafer auf. Am Tor
gab er an, daß der Hafer dem Rat Beermann zukomme, wurde
durchgelassen und brachte abends um 10 Uhr alles in Lenneps
Wohnung. Lennep verwahrte die Objekte an verschiedenen sicheren
Orten 71 .
Der dritte Transport ging zum Messinghammer. Er umfaßte
die neun Kisten oder Koffer — vier vom Schloß Wilhelmshöhe und
fünf von der Löwenburg — mit dem Porzellan, dem Tafelleinen und
den Kleidern der Reichsgräfin von Schlotheim, außerdem den eisen
beschlagenen Koffer mit den Staatspapieren ihrer Schwester, der
Frau Majorin von Thümmel. Durch Verrat gelangten diese Kisten in
das Kasseler Schloß, wurden aber, da sie Privateigentum enthielten,
vom Gouverneur wieder herausgegeben 72 .
Der vierte Transport umfaßte ebenfalls zehn Kisten. Die Hälfte
derselben enthielt vorzugsweise Kupons, ein großer Kasten das Silber
aus'dem Bellevueschloß, zwei Kasten Pretiosen des Kurfürsten,
einer Akten aus dem Geheimen Kabinettsarchiv und einer Manualien
vom Kriegszahlamt. Am 8. Dezember gingen die Kisten ab und
gelangten als angebliche Güter der Firma Thorbecke auf dem Weg
über Witzenhausen und Hedemünden in das Thorbeckesche Lager
haus zu Münden. Die beiden Kisten mit Pretiosen wurden im
März 1807 durch Lennep persönlich dem Kurfürsten überbracht 73 .
Die übrigen Kisten gingen Anfang Februar von Münden nach Soden