Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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daß  das  Silber,  mit  Ausnahme  der  etwa  dabei  befindlichen  Medaillen,
in  den  Schmelztiegel  wanderte.
Es  galt  nun,  von  den  im  Wilhelmshöher  Schloß  und  auf  der
Löwenburg  verborgenen  Sachen  zu  retten,  was  gerettet  werden
konnte.  Denn  eine  Geheimhaltung  schien  auch  bei  diesen  Objekten ­
  völlig  ausgeschlossen,  und  in  diesem  Sinne  hatte  schon  am
6.  November  der  Burggraf  Steitz  auf  Wilhelmshöhe  im  Einverständnis
mit  dem  Burgvogt  Boeger  auf  der  Löwenburg  dem  Ministerium
seine  Bedenken  mitgeteilt  und  Verhaltungsbefehle  erbeten.  In  dieser
Notlage  kam  den  Landesdirektoren  der  Gedanke,  dem  General
Lagrange  Geld  anzubieten.  Der  Regierungsrat  Schmerfeld  übernahm
diese  Mission,  und  es  gelang  ihm,  den  Gouverneur  gegen  die  Summe
von  260  000  Fr.  zu  bestimmen,  42  Kisten,  welche  „den  bei  weitem
wichtigsten  Teil  der  Wilhelmshöher  Depositen 68  “  ausmachten,  freizugeben. ­
  Etwa  30  Kisten  mußten  auf  Wunsch  des  Gouverneurs
stehen  bleiben  und  wurden  von  den  Franzosen  konfisziert 69 .  Natürlich
durften  die  42  freigegebenen  Kisten  trotz  der  Konnivenz  des
Gouverneurs  nur  heimlich  fortgeschafft  werden.  Ja  es  war  ein
großes  Wagestück,  diese  Sachen  in  Sicherheit  zu  bringen,  weil  im
Fall  der  Entdeckung  nichtsdestoweniger  der  oben  erwähnte  Erlaß
des  Gouverneurs  wegen  Verhehlung  staatlichen  Eigentums  zur  Anwendung ­
  kommen  mußte.  Der  Ruhm,  diese  schwierige  Aufgabe
übernommen  und  glücklich  durchgeführt  zu  haben,  gebührt  einem
tapferen  und  unerschrockenen  Soldaten,  dem  hessischen  Hauptmann
Wilhelm  Mensing,  ln  der  Nacht  vom  8.  auf  den  9.  November  ließ
er  die  Kisten  auf  vier  Wagen  verladen  und  brachte  sie  auf  den
Hof  Stölzingen,  zwei  Wegstunden  östlich  von  Spangenberg.  Dort
blieben  die  Sachen  drei  Wochen  verborgen  und  wurden  dann  in
fünf  Transporten  anderwärts  in  Sicherheit  gebracht 70 .
Nachdem  Mensing  dem  Ministerium  Bericht  erstattet  hatte,
begab  sich  zunächst  der  Geheime  Kriegsrat  Lennep  nach  Stölzingen,
um  persönlich  diejenigen  Objekte  auszuwählen,  die  er  seinerseits
in  Gewahrsam  nehmen  sollte.  Der  Keller  auf  Stölzingen  wurde
„von  einwendig“  ausgemauert,  und  Lennep  stieg  mit  Mensing  hinein.
Lennep  sollte  vor  allem  gewisse  Wertpapiere  an  sich  nehmen.  Zu
dem  Zweck  mußten  fünf  Kasten  geöffnet  werden.  Drei  davon  wurden
völlig  entleert  und  die  leeren  Kasten  verbrannt.  Abgesehen  von
der  Isenburg-Wächtersbachschen  Obligation  über  320  000  fl  von  der
Rentkammer  in  Hanau  bestanden  die  sämtlichen  von  Lennep  aus-
            
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