Full text : Finanzwissenschaft

170  4-  Buch.  II.  Teil.  Die  privatwirtschaftlichen  Einnahmen  des  Staates.
kann,  Erschwerung  der  Stellungnahme  des  Staates  in  den  Fragen
•der  Industrie-  und  Handelspolitik,  in  Fragen  der  Sozialpolitik,  der
Zollpolitik  usw.  Die  staatlichen  Unternehmungen  können  auch  gewisse ­
  politische  Gefahren  heraufbeschwören  (Wahlteilnahme  der  bei
staatlichen  Betrieben  angestellten  Arbeiter  usw.).
Die  Probleme  der  industriellen  und  kaufmännischen  Unternehmungen ­
  bilden  —  auch  wenn  dieselben  in  Händen  des  Staates
sind  —  nicht  finanzielle  Probleme,  sondern  Probleme  der  Volkswirtschaftspolitik, ­
  was  von  manchen  Schriftstellern  nicht  in  Betracht
gezogen  wird,  die  dann  dieselben  in  der  Finanzwissenschaft  weitläufig ­
  behandeln,  so  z.  B.  auch  Wagner.
Auch  bei  industriellen  und  kaufmännischen  Unternehmungen
des  Staates  kann  es  vorkommen,  daß  der  Staat  in  die  Lage  kommt,
dieselben  zu  veräußern,  wie  wir  dies  bei  den  Domänen  gesehen
haben.  Da  es  sich  aber  hier  —  von  den  Staatsbahnen  abgesehen
—  zumeist  nur  um  einzelne  Unternehmungen  handelt,  sind  mit  der
Veräußerung  keine  so  wichtigen  Fragen  und  Interessen  verknüpft.
Jedenfalls  ist  es  wünschenswert,  daß  die  Veräußerung  das  Staatsinteresse ­
  vor  Augen  halte,  ferner,  daß  der  Staat  den  vollen  Wert
der  Unternehmung  erhalte,  was  wieder  voraussetzt,  daß  die  Veräußerung ­
  nicht  eben  in  einer  finanziellen  Notlage  des  Staates  erfolge. ­
  Eine  der  traurigsten  Veräußerungen  von  Staatsunternehmen
war  der  Verkauf  der  einstigen  österreichischen  Staatsbahnen  an  den
Credit  mobilier  in  Paris.
Die  Bilanz  der  wichtigeren  staatlichen  Unternehmungen  auf
dem  Gebiete  der  Industrie,  des  Handels  und  Verkehrs  zeigt  in
Ungarn  folgende  Besultate  (1913):
Einnahmen  Ausgaben
Millionen  Kronen

Post,  Telegraph  und  Telephon  104,4  88,9
Staatsbahnen  459,2  385,2
Postsparkasse  9,8  7,5
Pfandleihanstalten  1,0  1,2
Maschinenfabriken  89,1  79,0
Staatsdruckerei  5,0  3,2
Staatsbrücken  und  Tunnel  1,0  0,5

Insgesamt  669,5  565,5

Es  ergibt  sich  ein  Überschuß  von  104,0  Millionen  Kronen,
welcher  natürlich  zur  Verzinsung  und  Amortisation  der  in  diesen
Unternehmungen  investierten  Kapitalien  nicht  hinreicht,  die  Unter-
            
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