Full text : Finanzwissenschaft

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4.  Buch.  V.  Teil.  Die  Steuern.

das  Einkommen  belasten,  während  die  Einkommensteuer  tatsächlich
das  Vermögen  belasten  kann,  sofern  sie  das  Vermögen  angreift.
Held  hinwieder  meint,  man  könnte  alle  Steuern  Vermögenssteuern
nennen,  da  jede  Steuer  aus  jenem  Fond  genommen  wird,  der  schon
in  das  Vermögen  des  Einzelnen  eingetreten  ist.  Auch  der  Begriff
der  direkten  und  indirekten  Steuer  fängt  immer  mehr  an  Verwirrung
zu  schaffen.  Die  meisten  Finanzschriftsteller  halten  vom  Standpunkte ­
  des  Steuersystems  den  Unterschied  von  direkten  und  indirekten ­
  Steuern  für  den  wichtigsten  und  auch  im  praktischen  Leben
wird  hierauf  das  größte  Gewicht  gelegt.  Dagegen  hält  Eheberg
diese  Unterscheidung  für  entbehrlich;  auch  Schall  verwirft  sie,
desgleichen  nimmt  Lotz  gegen  sie  Stellung.  Nach  Schall  sind  die
indirekten  Steuern  Vermögenssteuern.  Adams  dagegen  verwirft  mit
nicht  geringer  Rabulistik  die  Bezeichnung  indirekte  Steuern,  denn
die  sogenannte  Verzehrungssteuer  ist  entweder  eine  Kriteriumsteuer
oder  eine  Erwerbssteuer.  Dagegen  ist  jede  Steuer  in  jenem  Sinne
Verzehrungssteuer,  daß  sie  auf  die  Verzehrung  zurückwirkt.  Auch
Vocke  verwirft  die  Bezeichnung  indirekte  Steuer,  denn  die  Steuer
kann  ihrer  Natur  und  ihrem  Begriffe  nach  nur  direkte  Steuer  sein,
da  sie  nur  auf  die  Person  Bezug  haben  kann;  die  indirekte  Steuer
ist  bloß  ein  Zuschlag  (Aufschlag)  zum  Preise  der  Güter.
2.  Wir  gehen  nun  zur  näheren  Prüfung  der  verschiedenen
Arten  von  Steuersystemen  über:  a)  mit  Bezug  auf  die  Steuerquellen
geht  Smith  bei  der  Einteilung  von  Steuern  davon  aus,  daß  jede
Steuer  entweder  die  Grundrente  oder  den  Kapitalzins  oder  den
Arbeitslohn  belastet.  Diese  Einteilung  haben  seine  Nachfolger  lange
Zeit  festgehalten,  im  allgemeinen  die  englischen  Finanzschriftsteller;
endlich  sahen  auch  sie  ein,  daß  überdies  die  Steuern  noch  nach
anderen  Gesichtspunkten  gruppiert  werden  müssen.  Darum  verlassen ­
  auch  die  Engländer  bereits  diese  theoretisch  einfache  und
richtige,  praktisch  aber  undurchführbare  Einteilung.  Es  kann  nämlich ­
  nicht  außer  acht  gelassen  werden,  daß  sich  die  Steuern  im
Grunde  auf  Personen  beziehen,  diese  aber  beziehen  ihr  Einkommen
zum  großen  Teil  aus  verschiedenen,  in  ihrem  Resultat  nicht  zu
trennenden  Quellen,  ferner,  daß  es  für  einzelne  Steuern  sehr  charakteristisch ­
  ist,  auf  welche  Gegenstände  sie  gelegt  werden. 1 )  In  vielen
Fällen  ist  es  unmöglich  bei  gewissen  Gegenständen  die  einzelnen
Einkommensquellen  streng  zu  unterscheiden.  Bastable  sucht  eine
entsprechendere  Einteilung.  Er  geht  davon  aus,  daß  wenn  Smith
auch  theoretisch  Recht  hätte,  so  ergibt  sich  doch  ein  großer  Unter-*)

  Bastable,  Finance,  8.  260.
            
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