Full text : Der deutsche Zollverein

Zeit  —  Preußen  bot  die  Beihilfe  seiner  Konsuln  in  den  auswärtigen ­
  Seehäfen  für  die  des  Schutzes  oder  der  Unterstützung  bedürftigen ­
  Untertanen  der  kontrahierenden  Regierungen  an.
Die  Verhandlungen  über  diese  Punkte  mit  den  bayrischwürttembergischen
  Bevollmächtigten  begannen  am  6.  März  1829
und  nahmen  ihren  raschen  Fortgang,  wenngleich  sie  durch  vertragsmäßig ­
  notwendige  Pereinbeziehung  des  Großherzogtums  peffen
einige  Verzögerung  erfuhren.  Am  27.  Mai  1829  erfolgte  die
Unterzeichnung  des  Pandelsvertrags  zwischen  den  beiden  Vereinen,
an  dem  dann  noch  auf  Monituren  von  München  und  Stuttgart
aus  einige  Berichtigungen  und  nähere  Bestimmungen
eingefügt  wurden,  und  dann  konnte  nach  allseitiger  Genehmigung ­
  am  27.  Juli  182Y  die  Auswechselung  der  Ratifikationen ­
  stattfinden.  Für  die  beiderseitigen  Erzeugnisse  der  Industrie,
als  baumwollene,  wollene  und  seidene  Fabrikate  sollte  eine
Zollerleichterung  von  20—50%  gewährt  werden,  bis  die  Verhältnisse ­
  einen  gänzlichen  Wegfall  gestatteten,  für  die  Konsumtionsartikel ­
  sollte  eine  Ubergangssteuer  erhoben  werden,  inländische  Erzeugnisse ­
  der  Natur,  der  Kunst  und  des  Gewerbefieißes  keinen
Durchgangszoll  bezahlen,  aller  sonstiger  Warenverkehr  durchaus
frei  sein,  ausgenommen  Salz  und  Spielkarten.
König  Ludwig  war,  nachdem  er  einmal  das  Bessere  erkannt
hatte,  völlig  für  diese  Verständigung  begeistert,  was  man  bei  ihm
um  so  höher  anschlagen  muß,  als  Preußens,  übrigens  korrekte
paltung  in  der  Sponheimischen  Frage  einen  endgiltigen  Strich
durch  seine  poffnungen  auf  peidelberg  und  Mannheim  ge,nacht
hatte.  Aus  dem  näinlichen  Grunde  freute  sich  der  von  seiner
letzten  Sorge  in  derselben  Angelegenheit  befreite  Großherzog
Ludwig  von  Baden  über  das  Zustandekommen  des  Vertrags,
während  sein  preußenfeindlich  gesinnter  Minister  Berstett  darüber
wehklagte.  Großes  Mißbehagen  empfand  man  auch  in  der  pofburg
zu  Wien.  Aber  völlig  geschlagen  fühlte  sich  der  mitteldeutsche
Verein,  der  seit  den,  Juni  1829  wieder  in  Kassel  tagte.
Und  schon  hatte  Preußen  zu  einem  weiteren  Schlage  aus ­
            
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