Full text : Der deutsche Zollverein

51

miteinander  in  Verbindung  treten  möchten  und  seitdem
Aönig  Ludwig  den  Groll  über  Pessen-Darmstadts  Fahnenflucht
überwunden,  dafür  sich  umsomehr  über  das  hinterhältige  Betragen
des  Aurfürften  geärgert  und  den  zweifelhaften  Lharakter
des  mitteldeutschen  Vereins  erkannt  hatte,  vor  allem  aber
seit  inan  an  der  preußisch-hessischen  Verbindung  die  Uneigennützigkeit ­
  Preußens  im  Gegensatz'  zu  den  im  Umlauf  befindlichen ­
  Schauergeschichten  von  preußischer  Herrschsucht  kennen
gelernt,  trat  man  in  Bayern  wie  in  Württemberg  jenem  Gedanken
näher.  Linen  besonders  energischen  und  zugleich  geeigneten  Vertreter ­
  fand  die  Idee  in  dem  Lhef  der  bekannten  großen  süddeutschen
Buchhandlung,  den:  Freiherrn  von  Lotta.  Da  er  bei  dem  bayrischen
Staatsminister  von  Armansperg  nicht  nur  Verständnis,  sondern
sogar  halbamtliche  Aufmunterung  fand,  so  begab  er  sich  im
Sommer  1828  nach  Berlin,  um  vorerst  nur  als  Privatperson
init  Motz  und  Maaßen  in  Verhandlung  zu  treten.  Die  ihm  gewordene ­
  Aufnahme  war  so  freundlich,  daß  er  die  besten  Nachrichten ­
  nach  München  zurückbringen  konnte.  Nun  ward  er  mit
einer  förmlichen  Beglaubigung  versehen  nach  Berlin  zurückgeschickt,
um  dort  die  offiziellen  Verhandlungen  zu  eröffnen.  An  dieser
nahmen  preußischerseits  der  General  von  Witzleben,  der  Generaladjutant ­
  und  Freund  Aönig  Wilhelms,  Alexander  von  pumboldt
und  der  Finanzminister  von  Motz  teil.  Das  von  dem  letztgenannten
entwickelte  Programm  war  zunächst  nicht  auf  eine  Verschmelzung
beider  vereine  zugeschnitten,  aber  doch  auf  einen  ziemlich  auf  dasselbe ­
  hinauslaufenden  Handelsvertrag,  der  den  freien  Verkehr  aller
Waren  zwischen  den  beiden  Vereinsgebieten  mit  Ausnahme  von
Salz  und  Spielkarten  gestattete,  die  Annahme  derselben  Aonsumtionssteuern
  wie  in  Preußen  mit  Gewährung  eines  Übergangstarifs ­
  forderte,  aber  die  Erhebung  von  Zöllen  auf  fremde  Produkte
den  beiderseitigen  Verwaltungen  vorbehielt.  Gleiches  Münz-,
Maaß-  und  Gewichtssystem  wurde  in  Aussicht  genommen,  gegenseitige ­
  Unterstützung  bei  der  Aontrolle  der  Grenzlinien  zugesagt
und  —  etwas  Neues,  die  Vorahnung  einer  kommendenybefferen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.