164
Erwin Respondek,
des Zwanges zu ihrem Vorteil ermöglichen. Aus allen diesen Komplika
tionen die richtige Lösung zu finden, ist nicht leicht, wenn der Staat
nicht den Weg der generellen Aufhebung des Moratoriums beschreiten will.
Nach den Mitteilungen des Finanzministers R i b o t im Senat
vom 5. August 1915 zirkulierten in Frankreich und im Auslande unter
Einschluß aller Konversionen und Barzahlungen am 31. Juli 1915, d. h.
nach etwa 10 Monaten:
National-Verteidigungs-Wechsel 6958,00 MiU. Frcs.
„ „ Obligationen 2695,00 „ „
Zusammen 9653,00 MiU. Frcs.
Der Erlös aus dieser doppelten Anleiheform ist höchst gering
fügig, namentlich wenn in Betracht gezogen wird, daß für die Sparer
und Kapitalisten jeder Tag ein Zeichnungstag ist, an dem sie die jeweilig
freien Gelder dem Staate durch den Ankauf jener National-Verteidigungs-
Wechsel oder -Obligationen hingeben können. Um eine lebhaftere Zu
fuhr von Kapitalien zu erreichen, war das Schatzamt bestrebt, eine rege
Propaganda mit Hilfe der Presse, Schule und Kirche zu entfesseln.
Aber kein Mittel löste eine höhere Beteiligung aus und vermochte den
Kauf jener neuen Titel zu beleben. Auch die unermüdliche und intensiv
betriebene Werbetätigkeit der Presse, die zu gleicher Zeit eine eindring
liche Belehrung über die mannigfachen Vorteile gab, die der Ankauf
von National-Verteidigungs-Wechseln und -Obligationen in sich birgt,
konnte das Ergebnis nicht im ersehnten Ziele beeinflussen. Ganz ent
schieden wurde von der „finanziellen Dienstpflicht“ der Zurückge
bliebenen gesprochen, eine hohe und schnelle Zeichnung dem blutigen
Kampfe auf den Schlachtfeldern gleichgestellt. Der „Temps“ schrieb:
„Es ist Pflicht, diese Noten in Schatzscheine umzuwandeln, entweder
in 5 % Schatzwechsel mit vorheriger Zinszahlung oder in 5 % Obliga
tionen mit vorheriger Zinszahlung und Rückzahlungsprämie. Weder
die einen noch die anderen unterliegen der Steuer; sowohl die einen als
auch die anderen werden zu den künftigen Anleihen zugelassen. Jeder
Zeichner vollführt die Handlung eines guten Franzosen 1 ).“ Der Heraus
geber des L’Economistc Frangais“ wendet sich in flammenden Worten
an seinen Leserkreis mit der Aufforderung zur Zeichnung der Schatz
scheine. In seinen Aufrufen hält er die Notwendigkeit und die Vorteile
einer reichlichen Zeichnung vor Augen. So z. B. schreibt er wörtlich: 1 2 )
„. . . . jener Sieg, unsere Helden werden ihn uns geben. Aber es
liegt in unserer Hand, seine schnelle Verwirklichung zu begünstigen.
Keine Armee ohne Proviant, kein Proviant ohne Geld im Schatzamte.
Zeichnet daher immer und immer wieder die Bons und Obligationen,
dann die große nationale Anleihe. (Bereits hier der Hinweis auf die
projektierte Anleihe.) Die Stunde des Zögerns ist vorüber. Frankreich,
dessen finanzielle Macht die Bewunderung der Welt erregt, muß seiner
1 ) Temps 12. August 1915.
2 ) a. a. O. 13. November 1915, S. 651.