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ermitteln will. Die Ursachen dieser Unfähigkeit sind klar: die offiziellen
Resultate, die sich auf die Gesamtheit eines Landes erstrecken, beziehen sich
auf gewisse Punkte, welche die Staatsgewalt als solche interessieren, abstra
hieren aber von allen Betrachtungen, die nur akzessorisch diese Frage be
rühren; sie rechnen weder mit der be sonderen Natur des Individuums, noch
mit dem Milieu, in dem es lebt; die offiziellen Angaben vernachlässigen also
die wesentlichen Tatsachen, die die Wissenschaft beachten muß, wenn sie zu
Schlüssen in betreff der Einzelexistenzen oder der verschiedenen sozialen Kate
gorien gelangen will. Wenn sie z. B. für zwei Länder mit gleicher Bevölke
rungszahl die Vergehen und Verbrechen auf Grund der ergangenen Urteile
vergleicht, so wird man in bezug auf die Moralität der Bevölkerung ganz un
genaue Schlüsse ziehen können. Um sich zu überzeugen, welche Irrtiimer
Schätzungen dieser Art durch einfachen Vergleich der Zahlen hervorrufen,
genügt es durch direkte Beobachtung die Ungleichheiten zu konstatieren, die
zwischen den Einrichtungen und Sitten der beiden Länder bestehen, was Wirk
samkeit der Repressionsmittel, Käuflichkeit der Richter, unaufhörlicher Zustrom
fremder verbrecherischer Elemente usw. anbetrifft.
Le Play gibt zu, daß hervorragende Gelehrte diese Mängel über
wunden haben, indem sie eigene Beobachtungen mit dem statisti
schen Material verarbeitet haben. Aber diese „gemischten
Methoden“ erfordern von dem, der sie anwendet, seltene Eigen
schaften :
„Man hat oft mit Recht bemerkt, daß die Kunst der Zahlengruppierung
es erlaube, mit einem gewissen Grade von Wahrscheinlichkeit jeden Schluß
a priori zu beweisen.
Wie wird dagegen bei der direkten Beobachtung verfahren?
„Man nimmt sich nicht vor, in einem allgemeinen Schema alle sozialen
Fragen zu erfassen, man untersucht jede Frage gesondert, indem man sie soviel
wie möglich umgrenzt, damit man sie vollständiger behandeln und Schlüsse
von mehr praktischem Nutzen ziehen kann. Anstatt von einem Gesichtspunkt
aus für jede spezielle Frage die Gesamtheit des Landes zu betrachten, knüpft
man nach Möglichkeit an besondere Fälle oder Örtlichkeiten an, die man von
allen Seiten untersucht.“
Ferner ist hierbei die Erhebung nicht Beamten anvertraut, sondern
Männern, die sich besonders dazu eignen,
„die niemals die materielle Tatsache von den moralischen Erwägungen sondern,
die deren Wichtigkeit bestimmen oder die ihren bestimmten Charakter fest
legen . ...“ „In diesem System ist man nicht mehr gezwungen, zur Kenntnis
der speziellen Tatsachen durch mehr oder weniger entfernte Induk
tionen zu gelangen; man konstatiert sie direkt an den Quellen
der Beobachtung.“
Diese Methode der direkten Beobachtung ist besonders in England
gebräuchlich. Das Parlament ordnet über irgendeine Frage eine