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in Vergessenheit gebracht hatten. Deshalb blieb er dem neuen
Geiste gegenüber unzugänglich und ablehnend. Er war 1 )
gewappnet gegen die Irrlehren, die die modernen Historiker, die Poli
tiker, die Dichter, die Presse nsw. yortrugen. . .. Ich blieb zuerst gleichgültig
gegenüber den Schriften, die meine Mitschüler begeisterten; dann verabscheute
ich sie, als ich die blutigen Ereignisse vom Juli 1830 daraus hervorgehen sah,
die sich seitdem so oft wiederholt haben.
Also immer Ablehnung und Verabscheuung der modernen Ideen, die
allein für das nationale Unglück haftbar gemacht wurden.
Daneben finden wir bei Le Play schon früh jene ausgeprägte
„hierarchische“ Auffassung vom Staats- und Gesellschaftsleben,
d. h. die Vorstellung von über- und untergeordneten Gesellschafts
klassen, die ihm ebenfalls vollkommen in Fleisch und Blut über
gegangen war. Auch in seinem Privatleben zeigt sich diese Auf
fassung von der Überordnung des einen über den anderen. Als er
mit seinem Freunde Reynaud in Deutschland reiste, ergaben sich
oft lebhafte Meinungsverschiedenheiten; aber
die hierarchischen Gewohnheiten bestimmten mich dazu, die manchmal etwas
scharfen Wendungen des „Älteren“ gern hinzunehmen 2 ).
Wie wir in der Jugend diese Auffassung schon wahrnehmen können,
so finden wir sie später wieder, bis in die Einzelheiten systematisch
ausgebaut. Eine solche organische Auffassung des Volkslebens hatte
ihre volle Berechtigung; aber indem jede andere Auffassung von
vornherein abgewiesen wurde, entstand ein „Vorurteil“. Er hätte
die Notwendigkeit der „hierarchischen“ Gliederung beweisen müssen.
Le Play wußte wohl, daß auch er sich vor „opinions precongues“
zu hüten habe 3 ); aber er dachte dabei je länger, um so weniger an
jene ihm in der Jugend eingepflanzten Vorstellungen, an die ganze
Richtung seiner eigenen Erziehung, sondern an gewisse sein Volk
und seine Zeit beherrschenden Vorstellungen, vor allem an die
Überschätzung des Reichtums, an die demokratischen Anschauungen
der großen Revolution. Sie suchte er bei sich zurückzudrängen,
weil er sie als Hemmungen seiner wissenschaftlichen Arbeit be
trachtete. Er sah die Gefahr immer nur auf der einen Seite, so
sehr stand er selbst auf der anderen. Dieser Standpunkt, zu dem
') 0. E. I, 619.
2 ) 0. E. I, 39.
3 ) Ref. soc. I, 65.