Full text : München als Industriestadt

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der  Firma  geht  ins  Ausland,  obwohl  überall  bedeutende  Zollsätze, ­
  in  Nordamerika  sogar  40  o/o  des  Wertes  der  Produkte,
die  Einfuhr  erschweren.  Auf  Nordamerika  kommt  trotzdem
1 / i  des  Gesamtumsatzes,  auf  England  und  Schweiz  treffen  je
3V,  °/o,  auf  Rußland  2 1 / 2  o/ 0  und  auf  Dänemark,  Belgien,  Italien, ­
  Frankreich  und  Holland  je  2  o/ 0  der  Jahresproduktion.
Uns  interessieren  bei  dieser  Fabrik  besonders  die  Arbeiterverhältnisse, ­
  da  im  Betriebe  etwa  700  Arbeitskräfte,  darunter
450  weibliche  Arbeiter,  beschäftigt  sind.  Daneben  sind  dauernd
etwa  300  Heimarbeiterinnen  mit  der  Borsteneinziehung  in  die
Hölzer  für  die  Fabrik  tätig.  Diese  Heimarbeit  stellt  sich  für
den  Betrieb  im  Verhältnis  zu  den  eigenen  Löhnen  so  billig,  daß
die  Hinfracht  der  Halbfabrikate  und  Rückfracht  der  Fertigprodukte ­
  aus  den  Gegenden  des  badischen  Schwarzwaldes,
des  Erzgebirges  und  dem  Städtchen  Altenburg  in  Sachsen  keine
erhebliche  Verringerung  des  bestehenden  Vorteils  bewirken.
In  diesen  Gebieten  steht  die  Fabrik  mit  Zwischenmeistern  in
Verbindung,  welche  eine  unbekannte  Anzahl  von  Heimarbeitern
beschäftigen.  Sie  erhalten  ebenso  wie  die  Münchener  Heimarbeiterinnen ­
  die  fertigen  Unterhölzer,  Borsten  und  den  nötigen
Draht  mit  nach  Haus  oder  arbeiten  zusammen  in  einer  dem
Zwischenmeister  gehörigen  Werkstätte.  In  München  selbst
liefern  die  Heimarbeiterinnen  ihre  eingezogene  Ware  selbst
in  der  Fabrik  ab,  wo  ihnen  der  Lohn  pro  Tausend  Stück  berechnet ­
  wird.  Als  geringstes  Tagesverdienst  ist  seitens  der
Fabrik  die  Höhe  von  60  Pfennig  noch  gestattet.  Unter  diesem
Minimalverdienst  wird  an  keine  Arbeiterin  mehr  Material  abgegeben. ­
  Diese  Frauen  betreiben  auch  das  Einziehen  neben
der  Hausarbeit  wie  neben  ihrem  Beruf  und  sind  daher  wenig
geübt.  Das  Höchstverdienst  mit  2—2,20  Mark  pro  Tag  fällt
nur  den  geschicktesten  Arbeiterinnen  zu,  welche  diese  Tätigkeit ­
  schon  10—20  Jahre  lang  als  Beruf  ausüben  und  gegenüber ­
  den  anderen  die  Mehrheit  bilden.  Die  in  der  Fabrik  beschäftigten ­
  Arbeitskräfte  werden  schon  im  Alter  von  14—15
Jahren  als  Lehrlinge  aufgenommen  und  im  Betriebe  selbst
angelernt.  Dadurch  besitzt  man  stets  einen  Stamm  tüchtiger
angelernter  Arbeiter  und  hat  es  nicht  nötig,  weder  das  städtische ­
  Arbeitsamt  noch  die  paritätischen  Arbeitsnachweise  der
            
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