Full text : München als Industriestadt

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Organisationen  in  Anspruch  zu  nehmen.  Außerdem  zahlt  die
Firma  die  höchsten  Löhne  der  Branche  in  ganz  Deutschland.
Der  Minimallohn  —  abgesehen  von  der  Entlohnung  der  jugendlichen ­
  Arbeiter,  welche  beim  Eintritt  60  Pfennig  pro  Tag  mit
vierteljährlicher  Aufbesserung  von  10  Pfennig  bis  zum  16.  Jahre
erhalten  —  ist  für  die  männlichen  Arbeiter  3,50  Mark  und  die
weiblichen  1,50  Mark  pro  Tag,  während  die  höchstbezahlten
Arbeitskräfte  täglich  ein  Verdienst  von  7  Mark  bezw.  3  Mark
erreichen.  Um  die  Arbeiter  zu  äußerster  Tätigkeit  anzuspornen
sind  Prämien  für  das  Einziehen  einer  gewissen  Zahl  Bürsten
festgesetzt.  Die  Akkordlöhne  kommen  den  gezahlten  Höchststundenlöhnen ­
  meistens  gleich  und  gehen  nur  vereinzelt  über
diese  Grenze  hinaus.  Dies  soll  nach  Ansicht  der  Fabrikleitung
darin  begründet  sein,  daß  die  Arbeiterorganisationen  —  der
Holzarbeiterverband  und  mit  wenigen  Mitgliedern  auch  die
christlichen  Gewerkschaften  —  Weisungen  ausgeben,  wonach
die  Leute  nur  bis  zu  einem  bestimmten  Betrage  verdienen
sollten.
Trotz  der  großen  Anzahl  Arbeiter  finden  wir  im  Betriebe
seiner  Größe  und  Bedeutung  entsprechend  eine  Menge  Maschinen ­
  laufen.  Eine  Dampfmaschinenanlage  liefert  60  Frais-,
Säge-  und  Hobelmaschinen,  20  Stanzen  und  automatischen  Universalmaschinen, ­
  welche  neben  gewöhnlichen  Handbürsten  auch
bessere  Ware  selbständig  fertigen,  und  6  Borstenschneidmaschinen ­
  den  Antrieb.  Eine  eigene  Schlosserei  fertigt  die
Bestandteile  dieser  Maschinen  und  dient  allgemein  als  Reparaturwerkstätte. ­
  Außerdem  ist  dem  Betriebe  eine  größere  Drechslerei ­
  mit  6  Drehbänken  und  eine  Bohrerei  mit  31  Bohrmaschinen ­
  angegliedert.
In  unseren  Tagen  ist  Deutschland  der  Hauptsitz  der  europäischen ­
  Roßhaarindustrie  geworden,  zu  welcher  Industrie
neben  der  Roßhaarspinnerei  auch  die  Haarzurichterei  und  Haargarnspinnerei ­
  zu  rechnen  ist.  Heute  ist  die  Roßhaarspinnerei
zweifellos  der  bedeutendste  Zweig  der  gesamten  Haarverarbeitungsindustrie. ­
  Einen  großen  Anteil  an  ihrer  Entwicklung  gebührt ­
  der  Dampfroßhaarspinnerei  J.  H.  Höningsberger
  &  Co.,  Kommanditgesellschaft,  welche  sich  seit  ihrer
Niederlassung  im  Jahre  1872  in  München  aus  kleinem  Betriebe
            
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