Full text : München als Industriestadt

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zu  einer  der  größten  und  leistungsfähigsten  deutschen  Roßhaarspinnereien ­
  und  Haarziehereien  entwickelt  hat.  Heute  arbeitet
die  Fabrik  mit  einem  Batteriedampfkessel  und  einer  Dampfmaschine ­
  von  40  PS.  und  beschäftigt  ca.  150  Arbeiter  und  Arbeiterinnen ­
  und  ebensoviele  Heimarbeiter,  welche  besonders  in
der  Haarzieherei  verwendet  werden.  Sie  ist  die  einzige  Roßhaarspinnerei ­
  Deutschlands,  welche  einen  Tarifvertrag  mit  den
Arbeitern  abgeschlossen  hat.  Die  Arbeiter,  die  dem  Textilarbeiterverband ­
  und  dem  Verband  der  Fabrikarbeiter  angehören, ­
  erhalten  teils  Tagelohn,  teils  arbeiten  sie  im  Akkord
und  werden  nach  Stunden  bezahlt.  Sie  sind  nur  zum  geringsten
Teil  heimische  Arbeitskräfte,  da  die  gelernten  Arbeiter,  wie
die  Roßhaarspinner,  aus  Norddeutschland  und  sehr  viel  aus
Österreich  zuwandern.  In  Bedarfsfällen  bedient  man  sich  der
Verbandszeitungen  als  Arbeitsvermittlungsstellen.
Die  gesamte  Fabrikation  der  Firma  hängt  heute  sehr  von
der  Beschaffung  des  Rohmaterials  ab,  welches  am  besten  aus
Dänemark,  Frankreich  und  zum  Teil  auch  aus  Deutschland
selbst  bezogen  wird.  Da  dies  aber  für  den  Produktionsbedarf
infolge  stets  wachsenden  Konsums  nicht  ausreicht,  kommen  als
weitere  hauptsächliche  Importgebiete  Südamerika,  Rußland  mit
Sibirien,  Österreich-Ungarn  und  Skandinavien  in  Frage.  Die
Einfuhr  aus  Südamerika,  dem  Hauptproduktionsgebiet  für  rohe
Pferdehaare,  ist  gegenüber  früheren  Jahren  infolge  Rückganges
des  Pferdebestands  und  Abnahme  der  Schlachtungen  in  steter
Verminderung  begriffen.  Auch  in  anderen  Ländern  liegen  heute
ähnliche  Verhältnisse  vor.*)  Dies  ist  um  so  empfindlicher  als
umgekehrt  der  Konsum  der  Roßhaare,  der  Rinderschweif-  und
Ziegenhaare  durch  die  anwachsende  Automobilindustrie  und  den
größeren  Bedarf  der  Bürsten-  und  Pinselfabriken  eine  außergewöhnliche ­
  Steigerung  erfahren  hat.  Auf  diesen  Ursachen  be-*)
  Eine  Abnahme  hat  der  Pferdebestand  aller  Länder  dadurch  erfahren, ­
  daß  in  der  Landwirtschaft  die  maschinellen  Betriebe  so  stark  zugenommen ­
  haben,  daß  die  Straßenbahnen  fast  ausschließlich  elektrisch
betrieben  werden  und  überhaupt  der  Personen-  und  Lastenverkehr  sich
immer  mehr  durch  Automobile  vollzieht.  Auch  des  Umstandes  sei  noch
gedacht,  daß  in  Asien  der  kolossale  Karawanenverkehr,  der  früher  Hunderttausende ­
  von  Pferden  in  Anspruch  nahm,  durch  die  sibirischen  Eisenbahnen ­
  nahezu  verdrängt  ist.
            
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