Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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In  den  1870er  Jahren  war  es,  als  Lichtenberger  im  Industrieviertel
Heilbronns  eine  chemische  Fabrik  betrieb,  die  heutige  Koepff'sche  Gelatinefabrik
in  der  Salzstraße.  Schon  damals  erwog  Lichtenberger  theoretisch  die  geologische
Möglichkeit  eines  Heilbronner  Salzgrundes,  der  nur  der  bergmännischen  Erschließung ­
  harrte,  um  eine  blühende  Industrie  ins  Leben  zu  rufen.  Diese  theoretischen ­
  Erwägungen  Lichtenbergers  gaben  ihm  bald  Anlaß  zur  Ausarbeitung
einer  Denkschrift,  die  er  1878  als  damals  jüngstes  Mitglied  der  Heilbronner
bürgerlichen  Kollegien  dem  damaligen  Oberbürgermeister  Wüst  von  Heilbronn
überreichte.  Letzterer  gehörte  auch  der  Württembergischen  Kammer  als  Abgeordneter ­
  an.  Lichtenberger  wirkte  in  den  Heilbronner  Kollegien  als  Bürgerausschußmitglied ­
  und  Gemeinderat  von  1878  bis  1886  und  leistete  so  der  Stadt
wertvolle  und  segensreiche  Dienste.  Die  Lichtenberger'sche  Denkschrift  gipfelte  in
ihren  Ausführungen  dahin,  die  Stadt  Heilbronn  solle  Bohrungen  ans  Salz  vornehmen. ­
  Die  bürgerlichen  Kollegien  Heilbronns  standen  der  Frage  der  Salzbohrungen ­
  nicht  unsympathisch  gegenüber;  zur  näheren  Untersuchung  dieser  Frage
wurde  eine  städtische  Bergwerkskommission  gebildet,  in  welche  1880  Theodor
Lichtenberger  als  Mitglied  und  stellvertretender  Vorsitzender  eintrat.  In  der
Folgezeit  trat  die  Persönlichkeit  Lichtenbergers  immer  schärfer  als  die  treibende
Kraft  in  dieser  ganzen  Frage  hervor;  so  sehen  wir  ihn  1883  als  leitenden  Unterhändler ­
  namens  der  Stadt  die  finananzielle  Basis  durch  Verhandlung.mit
einer  Kapitalistengrnppe  für  das  neue  Werk  schaffen.  Er  tritt  schließlich  als
Mitgründer  auf,  wird  Vorstandsdelegierter  und  Generaldirektor,  in  welcher  Eigenschaft ­
  er  dem  neuen  Werk  durch  zielbewußte  Tatkraft  und  umsichtigen  Scharfblick ­
  eine  führende  Stellung  sicherte.
Grundlegende  Anregungen  zur  Schaffung  der  Heilbronner  Salzindustrie
kamen  allerdings  von  einer  Außenseite,  die  mit  dem  Gedanken  Lichtenbergers
rivalisierend  nicht  unerheblich  zu  der  ganzen  Entwicklung  beigetragen  hat.  Schon
im  Jahre  1876  fanden  zwischen  dem  „Verein  chemischer  Fabriken,  Filiale  Wohlgelegen" ­
  zu  Neckargartach,  Hauptsitz  Mannheim,  und  Theodor  Lichtenberger  Besprechungen ­
  statt,  welche  das  vermutliche  Salzvorkommen  bei  Heilbronn  zum
Gegenstand  hatten.  Dieser  „Verein  chemischer  Fabriken",  der  für  seine  Sole
billigeres  Salz  als  das  von  den  württembergischen  Staatswerken  zu  besitzen
wünschte,  entschloß  sich  im  Jahre  1879  auf  seinem  Neckargartacher  Boden  zu
Salzbohrungen,  die  in  der  Tat  Erfolg  hatten.  Dieses  günstige  Ergebnis  veranlaßte ­
  den  „Verein  chemischer  Fabriken",  beim  Staat  auf  die  Verleihung  des
Grubenfeldes  „Fresenius"  anzutragen,  das  denn  auch  in  der  gesetzlichen  Ausdehnung ­
  von  2  Millionen  Quadratmetern  unter  der  Erde  genehmigt  wurde.
Diese  maximale  Beanspruchung  des  Grnbenfeldes  hatte  zur  Folge,  daß  sich  dasselbe ­
  bis  unter  das  Heilbronner  Kleinäulein  erstreckte,  ein  Gebiet,  welches  sich  heute
zu  dem  sogenannten  Industrieviertel  entwickelt  hat.  Die  Stadt  Heilbronn  befürchtete ­
  nun,  daß  durch  den  Bergwerksbetrieb  der  Mannheimer  Gesellschaft
das  Heilbronner  Gelände  infolge  Bodensenkungen  entwertet  werden  könnte,  und
daß  allein  das  Bestehen  eines  solchen  Bergwerkes  Fabriken  von  der  Ansiedlung
abhalte.  Die  Stadt  Heilbronn  erhob  auch  bei  Gericht  gegen  die  Anlage  des
Bergwerkes  Protest,  der  jedoch  von  Anfang  an  nach  Maßgabe  unserer  Berggesetze ­
  ohne  Erfolg  bleiben  mußte.  Hier  setzte  nun  das  Wirken  Theodor  Lichtenbergers ­
  ein,  der  als  Gemeinderat  darauf  drang,  daß  die  Stadt  eigene  Bergwerksrechte ­
  erwarb.  Es  sollte  hierdurch  einmal  die  unterirdische  Unterwühlnng
            
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