Full text : Der Pommersche Landbund

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Die  nachfolgenden  Tarisverhandlungen  haben  -dann  zu  einem  einigermaßen ­
  befriedigenden  Abschluß  geführt.  Ein  himmelschreiendes  Unrecht  ist
r-s,  daß  die  sogenannten  freien  Arbeiter  schlechter  gestellt  wurden,  als  die
Deputatarbeiter.  Sie  sind  von  der  Witterung  viel  mehr  abhängig  als  die
anderen  Arbeiter.  Es  gab  eine  ziemliche  Unruhe.  Mit  der  Anrufung  des
Schlichtungsausschusses  vergingen  Monate.  An  einigen  Stellen  haben  sie
ganz  leidlich  gearbeitet,  an  anderen  so  gut  wie  versagt,  insbesondere  da,
wo  Vertreter  des  Christlichen  Zentralverbandes  als  Beisitzer  waren.  —
Bei  den  Kündigungen  und  Entlassungen  gehen  die  Arbeitgeber  ganz  schlau
vor,  sie  machen  das  einzeln,  so  daß  man  es  dem  Landbund  nicht  unterschieben ­
  kann.  Aber  wir  sind  doch  darüber  klar,  daß  der  Landbund  dahinter
steht.  Im  Herbst  wurden  unsere  Leute  während  der  Hackfrucht-Ernte  entlassen ­
  und  in  einigen  Tagen  fremde  Arbeiter,  Ausländer,  eingestellt.  Dadurch ­
  kam  dann  die  Feindschaft  gegen  die  fremden  Arbeiter,  woraus.  sich
ein  Streik  entwickelte,  an  dem  18  Güter  beteiligt  waren,  der  nach  fünf
Tagen  endlich  beigelegt  werden  konnte.  Graf  Bismarck-Bohlen  hat  versucht, ­
  dem  Landbund  den  Rücken  zu  stärken.  Es  wurde  ein  deutschnationaler ­
  Anwalt  zu  den  Verhandlungen  hinzugezogen.  Sonst  wären  wir  schon
früher  zu  einem  Ergebnis  gekommen,  aber  der  Jurist  hat  es  stets  verstan-«
  den,  die  Sache  hinauszuschieben.
Eine  ständige  Beunruhigung  wird  dadurch  hervorgerufen,  daß  die  Arbeitgeber ­
  mit  Waffen  versehen  sind  und  sie  nicht  ausliefern.  Ein  klarer
Standpunkt  in  dieser  Sache  besteht  nicht.  Wenn  die  Regierung  von  vorn-,
herein  das  Pommersche  Milieu  besser  berücksichtigt  hätte,  schon  im  Frühjahr
bei  den  Wahlen  zu  den  Kreistagen,  so  wäre  das  Bild  heute  ein  besseres.
Jetzt  suchen  die  Junker  mit  allen  Mitteln  die  Regierung  zu  untergraben,
sie-möchten  ihre  Gewalt  von  früher  wieder  ausrichten.  Dazu  wollen  sie  sich
der  Landarbeiter  bedienen.  Daraus  erklärt  sich  die  Aeußerung  des  Herrn
von  Wangcnheim,  daß  Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer  in  einen  einheitlichen
Bund  zusammen  gehören.
Die  abgeschlossenen  Tarifverträge  werden  von  den  Arbeitgebern  vielfach
nicht  eingehalten  Trotzdem  der  Tarif  im  Kreise  Greifenberg  2300  Mk.
festgelegt  bat,  gibt  es  noch  Güter,  bei  denen  im  Frühjahr  der  'Barlohn
nur  2200  Mk.  betrug  und  auch  das  Deputat  war  geringer,  als  wie  es  ausgemacht ­
  war.  Solche  Verhältnisse  tragen  natürlich  zur  Beunruhigung  der
Arbeiterschaft  bei.  Dazu  kommt  die  Behandlung  der  Landarbeiter.  .  Ich
selbst  habe  den  Fall  erlebt,  daß  ein  Arbeitgeber  die  Leute  mit  einer  Pistole
bedroht  hat.  Durch  solche  Dinge  wird  die  Empörung  natürlich  nicht  geringer. ­
  Nebenher  gehen  die  Verhandlungen  der  Kreisvertrauensleute
mit  den  einzelnen  Arbeitgebern  über  die  zu  liefernden  Naturalien.  Auch
da  sucht  man  mit  alln  Mitteln  das  zu  hintertreiben,  was  vertraglich  vereinbart ­
  wurde.  Mit  allerlei  Kleinigkeiten  wird  da  eine  Nadelstichpolitik
von  den  Gutsherren  getrieben,  die  keine  Beruhigung  in  die  Arbeiterkreise
hineinkommen  läßt.  '3m  Kreise  Rügen  ist  am  geschicktesten  von  den
Kollegen  bei  den  Tarifäbschlüssen  gearbeitet  worden.  Es  wurde  dort
große  Ruhe  bewahrt.  Aber  da  haben  die  Arbeitgeber  gerade  erklärt, ­
  sorgen  Sie  möglichst  dafür,  daß  der  Tarif  nicht  znm  Januar  abläuft; ­
  die  Arbeitgeber  werden  nicht  kündigen,  wenn  nicht  von  der  anderen ­
  Seite  gekündigt  wird.  Im  Kreise  Franzburg  wurde  aber  der  Tarif
doch  zum  1.  Januar  gekündigt.  Natürlich  haben  wir  dann  die  anderen
Kreise  auch  sofort  gekündigt.  Diese  ganzen  Maßnahmen  zeigen  uns,  mit
welchem  kleinlichen  Vorgehen  wir  zu  rechnen  haben.  Die  Gefahr  steht
erst  im  kommenden  Frühjahr  bevor.  Wenn  die  Tarisverhandlungen
            
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