Full text : Der Pommersche Landbund

42

Diese  Ausführungen  werden  nun  von  diesem  Deutschen  Landbund  in  dem
Nachrichtenblatt  vom  15.  6.  19.  veröffentlicht.  Es  wird  weiter  in  dieser  Veröffentlichung ­
  gesagt,  ich  hätte  erklärt,  daß  bei  Streiks  die  Viehpslege,  worunter
Fütterung  und  Melken  zu  verstehen  ist,  erfüllt  werden  müsse.  Bis  hierher  ist  das
richtig.
Dann  wird  aber  meinen  Aeußerungen  eine  Auslegung  gegeben,  aus  der  man
schließen  kann,  ich  hätte  mich  auch  gegen  Erniestreiks  in  jedem  Fall  erklärt.  Ich
soll  gesagt  haben,  es  müßten  unbedingt  die  notwendigen  Arbeiten  gemacht  werden. ­
  Dieser  Landbund  empfiehlt  in  seinem  Organ,  von  diesen  Erklärungen  des
Kollegen  Schmidt  den  Gauleitern  und  sonstigen  Führern  ver  Arbeitnehmer
gegenüber  Gebrauch  zu  machen.
Diese  Aeußerungen  in  der  sogenannten  unverbindlichen  Aussprache  werden  nun
der  Oeffentlichkeit  übergeben.  Von  der  Veröffentlichung  hat  man  uns  wohl  geflissentlich ­
  keine  Mitteilung  gemacht,  daher  sehen  wir  uns  veranlaßt,  unseren  Vertrauensleuten ­
  gegenüber  folgendes  zu  erklären:
Wir  wir  schon  wiederholt  gegen  wilde  Streiks  Stellung  genommen  yaben  und
diese  mißbilligen,  so  soll  dies  auch  hier  wiederholt  werden.  Ferner  darf  bei  allen
Streiks  das  Vieh  nicht  notleiden,  sondern  es  muß  gefüttert  unv  gemelkt  werden.
Wo  derartige  Verstöße  vorkommen,  werden  sie  von  uns  verurteilt.  Vernünftige
Landarbeiter  tun  Derartiges  auch  nicht,  weil  es  eine  Roheit  gegenüber  einem
lebenden  Wesen  ist.  In  der  Presse  war  auch  schon  zu  lesen,  bei  Landarbeiterstreiks
würde  das  Vieh  nicht  gefüttert  werden.  Soweit  wir  Feststellungen  treffen  konnt  n,
handelt  es  sich,  hierbei  um  bewußte  Uebertreibungen.einer  bestimmten  Richtung
unter  den  Agrariern,  die  aus  durchsichtigen  Gründen  verbreitet  werden.
Anders  liegt  es  aber  bei  Erntestreiks.  So  sehr  wir  bestrebt  sind,  Erntestreiks
zu  vermeiden,  was  ganz  besonders  bei  der  jetzigen  Notlage  des  deutschen  Volkes
erforderlich  ist,  werden  wir  grundsätzlich  auf  das  Recht,  auch  während  der  Ernte
zu  streiken,  nicht'  verzichten.  Vorausgesetzt  natürlich,  daß  erst  vorher  alle  Mittel
angewendet  wurden,  um  derartige  Streiks,  die  vor  Ausbruch  auch  erst  von  der
Verbandsleitung  genehmigt  sein  müssen,  zu  vermeiden.  Rücksichtslosen  Arbeitgebern
gegenüber  wird  man  aber  gegebenenfalls  auch  dieses  Mittel  anwenden  müssen,  weil
wir  an  dem  äußersten  Mittel,  was  dem  Arbeiter  zur  Erzielung  einer  besseren
Lebenshaltung  zur  Verfügung  steht,  nicht  rütteln  lassen.
Da  jene  reaktionäre  Gruppe,  die  sich  in  diesen  Landbünden  zusammengefunden ­
  hat,  uns  jetzt  zu  dieser  grundsätzlichen  Stellungnahme  nötigt,  ersuchen  wir
trotzdem  unsere  Mitglieder,  keine  übereilten  Schritte  zu  tun,  sondern  bei  der  bevorstehenden ­
  Ernte  ihre  Pflichten  zu  erfüllen.  Es  muß  versucht  werden,
Sireitigkeiten  auf  dem  Verhandlungswege  zu  erledigen.
An  die  Regierung  richten  wir  das  Ersuchen,  gegenüber  rücksichtslosen  Arbeitgebern ­
  auch  mit  allen  Mitteln  einzuschreiten,  um  sie  zur  Erfüllung  der  tariflichen
Abmachungen,  zu  veranlassen.  Gegebenenfalls  muß  gegenüber  solchen  rücksichtslosen ­
  Wahrnehmern  des  Unternehmerstandpunktes  zur  Enteignung  geschritten
werden.  Den  Betreffenden  muß  zu  Gemüte  geführt  werden,  daß  wir  in  einer
anderen  Zeit  leben.
Den  Vertretern  unseres  Verbandes  im  Lande  sind  wir  es  aber  schuldig,  diese
Erklärungen  bekanntzugeben,  da  zu  erwarten  ist,  daß  mit  den  Aeußerungen  des
Kollegen  Schmidt  in  jener  Sitzung  vom  16.  Mai  bewußter  Mißbrauch  getrieben ­
  wird.
Die  Werbearbeit  des  Pommerschen  Landbundes.
Wir  haben  seinerzeit  darüber  berichtet,  daß  der  Pommersche  Landbund
für  seine  ihm  angehörenden  Landarbeiter  mit  den  Landwirten  einen
„Tarifvertrag"  abgeschlossen  hatte,  der  eine  Teuerungszulage  von  inonatltch
126  Mk.  vorsieht.  Der  Landarbeiterverband  hat  diesen  Vertrag  nicht  akzep ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.