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Anhang.
zu Ende zu führen. Als freiwilliger Anwalt der Gräfin
zog er sich eine Anklage wegen Verleitung zu dem an der
Baronin von Meyendorf in einem Kölner Gasthofe verübten
Kassettendiebstahl zu, wodurch man in den Besitz eines für
die Gräfin Hatzfeldt wichtigen Dokuments zu gelangen hoffte.
Die Sache endigte für ihn mit einer Freisprechung. Aber
von der Gräfin Hatzfeldt wurde Lassalle bis zu seinem Tode
nicht mehr frei. Er blieb in den Fesseln dieser von ihrem
Gemahl geschiedenen Dante, welche mit ihm in Düsseldorf
ein und dasselbe Haus bewohnte, und ihn häufig auf feinen
Reisen begleitete. Es ist natürlich, daß dieses itnklare Ver
hältniß einen dunkeln Schatten ans das Leben Lassalle's
wirft.
In die Arbeiterbewegung griff Lassalle zuin erstenmal
durch einen Vortrag ein, den er „über den besonderen Zu-
sammenhang der gegenwärtigen Geschichtsperiode mit der
Idee des Arbeiterstandes" am 12. April 1862 in einem
Berliner Handwerkerverein hielt. Er trat noch nicht als
förmlicher Agitator auf; aber sein an die Arbeiter gerichtetes
Wort: „Sie sind der Fels, auf welchen die Kirche der Ge
genwart gebaut werden soll!" wurde nicht vergessen. Seit
Oktober 1862 ging man mit dem Gedanken um, nach Leip
zig einen allgemeinen deutschen Arbeiterkongreß zu berufen.
Man wollte dort über Gcwcrbefreiheit, Freizügigkeit, Spar-,
Invaliden- und Krankenkassen berathen und zugleich auch eine
Organisation der Arbeiter zu Stande zu bringen versuchen.
Zu einem Gutachten hierüber ausgefordert, schrieb Lassalle
am 1. März 186% von Berlin ans sein „Offenes Ant
wortschreiben an das Central -Comité zur Berufung eines
Allgemeinen deutschen Arbeiter-Kongresses zu Leipzig." Diese
kleine Schrift von nur 2 Bogen Umfang brach dem Socia
lismus in Deutschland die Bahn. Sie veranlaßte am