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es nicht auch die politische Ökonomie? Freilich sind die Gefahren
einer Popularisierung unserer Wissenschaft viel größer als die an
derer Wissensgebiete; denn das Missverständnis eines naturwissen
schaftlichen Lehrsatzes kann wohl nur in seltenen Fällen und her
vorgegangen aus einer unheilvollen Kombination verschiedener be
gleitender Umstände verderblich werden, nationalökonomische Irr
lehren in den Händen des Volkes aber sind von weittragender,
unberechenbarer Gefahr. Und darum sollte die staatliche Verwaltung
eine ganz besondere Sorgfalt auf die Auswahl der Lehrkräfte für
Nationalökonomie in gewerblichen und Handelsschulen legen, damit
dieser bedeutungsvolle Zweig des Wissens nicht »unheiligen Händen«,
wie sich Kautz *) ausdrückt, überlassen wird.
Der Gedanke einer erschöpfenden geschäftlichen Statistik hat
uns zu dieser Abschweifung verleitet; wir glauben, dass in der
Realisierung dieses Gedankens und besonders in der allgemeinen
Zugänglichkeit eines solchen statistischen Materials, wie wir schon
früher bemerkt haben, für das geschäftliche Leben in direkter
Weise sowohl, als auch durch neue empirische Erkenntnisse durch
die Wissenschaft vielfache Vorteile erwachsen würden.
Wir wenden uns den einzelnen Seiten des geschäftlichen Lebens
zu, welche vom praktischen Standpunkte im Unternehmen die sorg
fältigste Berücksichtigung herausfordern.
Die größte Bedeutung im Individual-Leben eines Unterneh
mens hat nach der Person des Unternehmers selbst, welcher wir
ja oben unsere Aufmerksamkeit geschenkt haben, die Beschaffung
jener Güter, deren Reproduktion sich das Unternehmen zur Auf
gabe gestellt hat. Es ist selbstverständlich, dass wir hier nicht
auf alle Momente eingehen können, welche den Wert derselben
bestimmen. »Keine Abhandlung der Nationalökonomie«, schreibt
Say*'), »wie bändereich sie auch sei, vermag alle einzelnen Fälle,
die auf den Wert der Dinge einwirken können, vorauszusehen; wohl
aber kann sie die allgemeinen und stetig fortwirkenden Ursachen
nachweisen. Jeder kann alsdann je nach den vorkommenden Fällen
die Modifikation abwägen; welche aus den Umständen entstanden
sind, oder entstehen müssen.« Auch wir haben in dem vorigen
Teile dieser Schrift auf solche Umstände hiugewiesen.
*) Theorie und Geschichte der Nationalökonomik Bd. II (Wien 1860). S. X.
*) Ausf. Darstellung der Nationalökonomie. Aus dem Franzos, von Mör
stadt (Stuttgart 1833). Bd. II. S. 184.