Anfänglicher Stand
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der Wojewoden nach Möglichkeit zu beschränken. Die Sieben
bürger Wojewoden wurden schon unter König Stefan einem
ungarischen Ober-Wojewoden, dem Großfürsten von Sieben
bürgen, untergeordnet. Von Landesherren sanken sie zu Beamten
herab und wurden palatini, später comites genannt. Wo es nur
immer anging, so beim Erlöschen einer Wojewodenfamilie oder
bei der Niederwerfung eines ihrer zahlreichen Aufstände, beseitigte
der König die Wojewodenwürde ganz. Die „boieri" wurden
in den ungarischen Adel einbezogen und nahmen an den
Kongregationen, ja selbst am Reichstage teil. Gleichwie die
ungarischen Edlen erlangten sie die Steuerfreiheit und wachsende
Rechte gegen ihre ehemaligen Dorfgenossen. Ihr Anteil an der
Mark, die jirabia, wurde immer größer, bis sie das ganze Dorf um
faßte, und die Bearbeitung derselben erforderte stets weitergehende
Frohndienste seitens der Dorfbewohner. Parallel mit dieser Er
weiterung ihrer Machtbefugnisse aber verstärkte sich, seitdem König
Stefan der Heilige den katholischen Glauben angenommen hatte,
auch der auf sie geübte Druck, ihren angestammten Glauben zu ver
lassen und zum katholischen überzutreten. Die Bauern endlich
kamen infolge des Wachstums der Macht des Adels und ihrer
Heranziehung zum Kriegsdienste als iobaZioiws oastrsnses in immer
größere Abhängigkeit von ihrem zum Gutsherrn gewordenen „judice“
und verloren allmählich ihre Freiheit und mit ihr auch das Eigentum.
Diesem Umwand lungsprozesse gegenüber verhielten sich die
Rumänen auf zweifache Weise. Die Einen fügten sich in ihr Schick
sal, traten, soweit sie Wojewoden und Bojaren waren, zum katho
lischen Glauben über und gingen mit der Zeit im Stande der unga
rischen Magnaten (wie die Hunyadi-Corvin, die Majläth, Ropcea,
Bethlen usw.) oder des niederen ungarischen Adels auf, während
die Bauern, die auf ihrer Scholle blieben, langsam zu Hörigen und
Leibeigenen herabsanken. Die anderen, die sich nicht fügen wollten,
verließen das Land und gingen über die Berge, um sich neue, günsti
gere Wohnsitze zu suchen. Vorerst zogen Scharen von Bauern aus
und ließen sich jenseits des Kammes der Karpathen im Gebirge
und dem ihm vorgelagerten Hügellande nieder, von Kimpolung in
der Bukowina an über die Vrancea (bei der Wendung der transil-
vanischen Alpen von Nord-Süd nach Ost-West) hinüber bis jenseits
der Aluta in der kleinen Walachei, wo sie freie Bauerngemeinden
bildeten und nach ihrem althergebrachten Rechte lebten. Ihnen
folgten bald auch einzelne Bojaren, die sich hauptsächlich im Aluta-
lande ansiedelten und dort ein Banat erstehen ließen. Endlich sehten
sich auch Wojewoden mit ihrem ganzen Gefolge von Bojaren und
Bauern in Bewegung, überschritten die Berge und gründeten jen-