Full text : Fortschritt und Armut

258

Die  Gerechtigkeit  des  Heilmittels.

Buch  VII«

breiteren  Schichten  des  Gewerbfleißes  überall  den  Löhnen  der  Sklaverei ­
  zustreben  •—-  gerade  hoch  genug,  urn  den  Arbeiter  in  einem  Zustande ­
  zu  erhalten,  der  ihn  zur  Arbeit  befähigt.  Denn  der  Besitz  des
Landes,  auf  und  von  welchem  ein  Mensch  leben  muß,  ist  so  gut  wie  der
Besitz  des  Menschen  selbst,  und  wenn  wir  das  Recht  einiger  Individuen
auf  den  ausschließlichen  Besitz  und  Genuß  der  Erde  anerkennen,  verurteilen ­
  wir  andere  Individuen  zu  einer  so  vollständigen  Sklaverei,
als  hätten  wir  sie  tatsächlich  zu  Sklavenware  gemacht.
In  einer  einfacheren  Gesellschaftsform,  wo  die  Produktion  hauptsächlich ­
  in  der  direkten  Anwendung  von  Arbeit  aus  den  Grund  und  Boden
besteht,  tritt  die  Sklaverei,  welche  aus  dem  an  einige  verliehenen  ausschließlichen ­
  Besitzrecht  auf  den  Boden,  von  dem  alle  leben  sollen,
naturgemäß  hervorgeht,  als  bfelotismus,  Leibeigenschaft,  Hörigkeit
klar  zutage.
Der  Sklavenbesitz  hatte  seinen  Ursprung  in  der  Fortführung  von
Kriegsgefangenen,  und  obgleich  derselbe  bis  zu  einem  gewissen  Grade
in  allen  Teilen  der  Erde  bestanden  hat,  so  war  sein  Areal  doch  nur
klein  und  seine  Wirkungen  nur  verschwindend  im  vergleich  mit  den
Formen  der  Sklaverei,  die  aus  der  Aneignung  des  Grund  und  Bodens
entstanden  sind.  Kein  Volk  als  Ganzes  war  jemals  Menschen  seiner
eigenen  Rasse  als  Sklavenbesitz  unterworfen,  noch  ist  je  ein  Volk  in
großem  Maßstabe  durch  Eroberung  zu  einer  Sklaverei  dieser  Art  erniedrigt ­
  worden.  Die  allgemeine  Unterwerfung  der  vielen  unter  die
wenigen,  die  wir  überall  antreffen,  wo  die  Gesellschaft  eine  gewisse
Entwicklung  erreicht  hat,  ist  aus  der  Aneignung  des  Bodens  als  individuellen ­
  Eigentums  entstanden.  Der  Besitz  des  Bodens  ist  es,  der
allenthalben  den  Besitz  der  darauf  lebenden  Menschen  verleiht.  Es  ist
eine  Sklaverei  dieser  Art,  von  welcher  die  der  Zeit  trotzenden  Pyramiden
und  kolossalen  Monumente  Agyptiens  noch  Zeugnis  ablegen,  und  von
deren  Einsetzung  wir  vielleicht  eine  unbestimmte  Überlieferung  haben
in  der  biblischen  Geschichte  von  der  Hungersnot,  während  welcher  Pharao
die  Ländereien  des  Volkes  aufkaufte.  Ls  war  Sklaverei  dieser  Art,
welcher  im  Zwielicht  der  Geschichte  die  Eroberer  Griechenlands  die
Ureinwohner  der  Halbinsel  unterwarfen,  indem  sie  sie  dadurch  zu  Heloten
machten,  da  sie  für  ihren  Boden  Rente  zu  zahlen  hatten.  Es  war  die
Zunahme  der  Latifundien  oder  großen  Güterkomplexe,  was  die  Bevölkerung ­
  des  alten  Italiens  aus  einem  Geschlecht  kräftiger  Landleute,
deren  rauhe  Tugenden  die  Welt  erobert  hatten,  in  ein  Geschlecht  kriechender ­
  Leibeigner  verwandelte;  es  war  die  Aneignung  des  Landes  als
absolutes  Eigentum  seitens  ihrer  Häuptlinge,  welche  nach  und  nach
die  Abkommen  der  freien  und  gleichen  gallischen,  teutonischen  und
hunnischen  Krieger  zu  Kolonen  und  Hörigen  machte  und  die  unabhängigen ­
  Freien  der  slawischen  Dorfgemeinden  in  russische  Leibeigene
und  polnische  Knechte  verwandelte,  welche  den  Feudalismus  EhinaS
und  Japans  sowohl  als  Europas  einsetzte  und  die  Häuptlinge  Poltz-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.