Full text : Fortschritt und Armut

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Die  Wirkungen  des  Heilmittels.

Buch  IX.

wie  jetzt,  den  Produzenten  zu  sagen:  „je  mehr  du  den  allgemeinen  Gütern
hinzufügst,  desto  höher  sollst  du  besteuert  werden",  würde  der  Staat
ihm  sagen:  „sei  so  fleißig,  so  strebsam,  so  unternehmend,  wie  du  magst,
du  sollst  deinen  vollen  Lohn  behalten;  du  sollst  keine  Bußen  dafür  zu  entrichten ­
  haben,  daß  du  zwei  Grashalme  wachsen  läßt,  wo  nur  einer  wuchs;
du  sollst  nicht  besteuert  werden,  weil  du  das  Gesamtgut  vermehrtest".
wird  der  Staat  etwa  nicht  dadurch  gewinnen,  daß  er  sich  weigert,
die  Gans  zu  töten,  welche  die  goldenen  Gier  legt;  daß  er  davon  absteht,
dem  Gchsen,  der  da  drischet,  das  Maul  zu  verbinden;  daß  er  dem  gleiße,
der  Betriebsamkeit,  der  Geschicklichkeit  ihren  natürlichen  Lohn  voll  und
ungeschädigt  läßt?  Denn  auch  für  den  Staat  gibt  es  einen  natürlichen
Lohn.  Das  Gesetz  der  Gesellschaft  ist:  einer  für  alle,  sowie  alle  für  einen.
Niemand  kann  das  Gute,  wie  das  Schlechte,  das  er  tut,  für  sich  allein
behalten.  Jede  produktive  Unternehmung  gewährt,  außer  dem  ihrem
Unternehmer  zufallenden  Ertrage,  auch  anderer:  mittelbare  Vorteile.
Pflanzt  jemand  einen  Gbstbaum,  so  ist  sein  Gewinn,  daß  er  mit  der
Zeit  seinen  Herbst  einheimst.  Aber  außer  seinem  eigenen  Gewinn  ist
auch  noch  ein  Gewinn  für  das  ganze  Gemeinwesen  vorhanden.  Andere
als  der  Eigner  ziehen  aus  dem  vermehrten  Gbstvorrat  Vorteil;  die
Vögel,  denen  der  Baum  Schutz  gewährt,  fliegen  von  nah  und  fern  herbei;
der  Regen,  welchen  er  herbeiziehen  hilft,  fällt  nicht  bloß  auf  sein  Feld,
und  selbst  dem  aus  der  Entfernung  darauf  ruhenden  Auge  gewährt
er  ein  Gefühl  der  Schönheit.  Und  fo  ist  es  mit  allem  anderen.  Der  Bau
eines  Hauses,  einer  Fabrik,  eines  Schiffes  oder  einer  Eisenbahn  nützt
anderen  außer  denen,  welche  die  direkten  Gewinne  davon  haben.  Die
Natur  lacht  über  einen  Geizhals.  Er  ist  gleich  dem  Eichhörnchen,  das
seine  Nüsse  vergräbt,  und  hernach  unterläßt,  sie  wieder  auszugraben.
Seht  da,  sie  sprossen  und  werden  zu  Bäumen.  In  feinen  Leinen,  mit
köstlichen  Spezereien  getränkt,  wird  die  Mumie  aufbewahrt.  Tausende
und  aber  Tausende  von  Jahren  danach  kocht  der  Beduine  seine  Nahrung
an  einem  Feuer  aus  ihren  Umhüllungen,  sie  erzeugt  den  Dampf,  mit
dessen  Hilfe  der  Reisende  auf  seinem  Wege  dahinfliegt,  oder  sie  kommt
nach  fernen  Landen,  um  die  Neugierde  anderer  Rassen  zu  befriedigen.
Die  Biene  füllt  den  hohlen  Baum  mit  Honig,  und  schließlich  kommt  der
Bär  oder  der  Mensch,  um  ihn  zu  genießen.
Mit  Recht  kann  der  Staat  dem  einzelnen  Produzenten  alles  lassen,
was  ihn  zur  Anstrengung  anspornt;  mit  Recht  kann  er  dem  Arbeiter
den  vollen  Lohn  seiner  Arbeit  und  dem  Kapitalisten  den  vollen  Ertrag
seines  Kapitals  lassen.  Denn  je  mehr  die  Arbeit  und  das  Kapital  produzieren, ­
  desto  größer  wird  der  gemeinschaftliche  Vorrat,  an  welchem
alle  teilhaben.  Und  in  dem  werte  oder  der  Rente  des  Bodens  ist  dieser
allgemeine  Gewinn  in  bestimmter  und  konkreter  Form  ausgedrückt.
Ljier  ist  ein  Fonds,  den  der  Staat  nehmen  kann,  während  er  der  Arbeit
und  dem  Kapital  ihren  vollen  Lohn  läßt.  Mit  vermehrter  Produktionstätigkeit ­
  würde  dieser  Lohn  entsprechend  zunehmen.
            
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