Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  III.

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Über  die  Wirkung  auf  Individuen  und  auf  Klassen.

Städte  würden  so  mehr  von  der  reinen  Luft  und  dem  Sonnenschein
des  flachen  Landes,  die  Bewohner  des  letzteren  mehr  von  den  Ersparungen
und  dem  sozialen  Leben  der  Stadt  erhalten,  wenn,  wie  es  unzweifelhaft
der  Fall  ist,  die  Anwendung  von  Maschinen  die  Tendenz  hat,  zum  Großbetrieb ­
  der  Landwirtschaft  zu  führen,  so  wird  die  ländliche  Bevölkerung
die  ursprüngliche  Form  annehmen  und  sich  in  Dörfern  zusammendrängen.
Das  Leben  des  Landmannes  ist  jetzt  durchschnittlich  ohne  Not  traurig.
Er  ist  nicht  nur  gezwungen,  früh  und  spät  zu  arbeiten,  sondern  auch  durch
die  Dünnheit  der  Bevölkerung  von  den  Bequemlichkeiten,  Vergnügungen,
Unterrichtsgelegenheiten  und  den  sozialen  und  intellektuellen  Vorteilen,
die  sich  aus  der  näheren  Berührung  von  Mensch  zu  Mensch  entwickeln,
abgeschnitten.  Er  würde  in  allen  diesen  Beziehungen  weit  besser  daran
und  seine  Arbeit  weit  produktiver  sein,  wenn  er  und  seine  Nachbarn
nicht  mehr  Land  besäßen,  als  sie  zu  benutzen  brauchen.*)  Seine  heranwachsenden ­
  Rinder  würden  weder  diesen  Drang  fühlen,  die  Anregungen
einer  Stadt  zu  suchen,  noch  würden  sie  so  weit  hinweggetrieben  werden,
um  eigene  Landgüter  zu  suchen.  Ihre  Mittel  zum  Leben  würden  in
ihren  eigenen  fänden  und  zwar  in  der  Heimat  liegen.
Kurz,  der  arbeitende  Landmann  ist  sowohl  Arbeiter  und  Kapitalist
als  auch  Grundbesitzer,  und  er  gewinnt  seinen  Unterhalt  durch  seine
Arbeit  und  sein  Kapital.  Sein  Verlust  würde  nur  ein  nomineller,  sein
Gewinn  aber  ein  faktischer  und  bedeutender  sein.
In  verschiedenen  Graden  trifft  dies  für  alle  Grundbesitzer  zu.
Viele  derselben  sind  auf  die  eine  oder  die  andere  Art  Arbeiter.  Und  es
würde  schwer  sein,  einen  Grundbesitzer  zu  finden,  der,  wenn  er  auch
kein  Arbeiter  ist,  nicht  Kapitalist  wäre,  während  die  allgemeine  Regel,
ist:  je  größer  der  Grundeigentümer,  desto  größer  auch  der  Kapitalist.
Dies  ist  so  sehr  der  Fall,  daß  nach  gewöhnlicher  Auffassung  beide  Eigenschaften ­
  verschmolzen  sind,  während  so  die  Einführung  einer  einzigen
Grundsteuer  alle  großen  vermögen  bedeutend  reduzieren  würde,  machte
sie  doch  in  keinem  Falle  den  reichen  Mann  zum  armen.  Der  Herzog
von  westminster,  dem  ein  beträchtlicher  Teil  von  London  gehört,  ist
wahrscheinlich  der  reichste  Grundbesitzer  der  Welt.  Alle  seine  Grundrenten ­
  durch  Besteuerung  einzuziehen,  würde  sein  ungeheures  Einkommen ­
  gewaltig  reduzieren,  ihm  jedoch  noch  alle  seine  Gebäude  und
die  Einnahmen  daraus,  sowie  unzweifelhaft  auch  noch  viel  persönliches

*)  Außer  der  ungeheuren  Zunahme  in  der  Produktionskraft  der  Arbeit,  die  aus  der
besseren  Bevölkerungsverteilung  sich  ergeben  würde,  fände  auch  noch  eine  gleiche  Lrspajung
  in  der  produktiven  Kraft  des  Bodens  statt.  Die  durch  die  erschöpfende  Kultur  großer,
schwachbevölkerter  Flächen  genährte  Konzentration  läuft  buchstäblich  auf  eine  Ableitung
"er  Fruchtbarkeitselemente  ins  Meer  hinaus,  wie  enorm  diese  Vergeudung  ist,  läßt  sich
"us  den  Berechnungen  ersehen,  die  in  betreff  der  Dungstoffe  unserer  großen  Städte  an-SesteM
  worden  sind,'und  ihre  praktische  Wirkung  ist  aus  der  abnehmenden  Ertragsfähigkeit
? s ,  Ackerbaues  in  umfangreichen  Distrikten  ersichtlich.  Fn  einem  großen  Teile  der  verewigten ­
  Staaten  erschöpfen  wir  unseren  Grund  und  Boden  beständig.
            
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