Full text : Wirtschaft als Leben

Ausblicke,  XI.

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Anschauliche  gewendet.  Zu  definieren  ist  somit  etwas,  das  überhaupt ­
  nicht  „ist“,  sondern  „besteht“;  und  dies,  weil  etwas  „geschieht“,
in  der  entsprechenden  Garnierung  von  Determinanten.  Es  „geschieht
in  diesem  Sinne  aber  nichts,  was  nicht  gedacht  und  nachlebend  denkbar
wäre.  Und  ein  derart  aus  eitel  Denken  gewobenes  Etwas  soll  nun
aufs  Haar  so  in  seinem  „Wesen“,  oder  nach  seinen  „Merkmalen  erfaßt ­
  werden,  wie  jenes  andere  Etwas,  das  unserem  Denken  breitspurig
vor  die  Nase  gesetzt  ist!
Es  liegt  nahe,  daß  jene  „Logik“  in  ihrer  blühenden  Unlogik,  auch
dort  zur  Definition  hetzt,  wo  statt  des  fragwürdigen  Abstieges  von
der  Hühnerleiter  stets  nur  die  schildernde  Auflösung  am  Platze
ist.  Nebenan  drängt  zu  diesen  „deplacierten“  Definitionen  auch  der
Übergriff  des  juristischen  Denkens,  das  die  Interpretation  des  vor
handenen,  oder  doch  in  Zukunft  möglichen  Gesetzeswortes  im  Auge
behält.  Umgekehrt  bleibt  es  dabei  ganz  außer  Sehweite,  daß  vor  der
Welt  des  Handelns  Definitionen  eines  ganz  anderen  Schlages  und
Berufes  möglich  sind,  kraft  der  Eigenart  ihrer  Gegenstände  I  Definitionen,
mit  denen  eine  Arbeit  heilsamster  Einkehr  abzuschließen  vermag.
Diese  Definitionen  haben  freilich  mit  dem  Begriffs-Systeme,  das  als
lehrhafter  Auszug  der  schildernden  Wissenschaft  möglich  ist,  nicht  mehr
zu  tun  als  mit  der  letzteren  selber,  und  mit  ihr  nicht  mehr  als  mit
der  berichtenden  Wissenschaft.  Der  unmittelbar  Beteiligte  ist  dabei
das  unzerfällende  Denken.  Dieses  kann  zu  seinen  Inhalten
gelangen,  ganz  unabhängig  von  dem  schillernden  Wortkleide,  worin  es
bei  seiner  Bewegung  gehüllt  ist.  Es  hat  nicht  nötig,  alle  Worte,  die
sich  auf  die  Welt  des  Handelns  beziehen  könnten,  reihum  nach  jenen
Inhalten  auszubeuteln.  Jene  Gunst  fällt  um  so  schwerer  ins  Gewicht,
als  ja  die  Gegenstände  jener  Welt  zunächst  nur  mit  Worten  gegeben
erscheinen,  während  in  der  Natur  von  Haus  aus  das  „Greifbare“  da
ist,  und  damit  die  günstige  Position  gegenüber  jener  Logik  und  ihren
Albernheiten.  Die  Zoologie,  z.  B.,  ist  offenkundig  nicht  darauf  angewiesen, ­
  den  ganzen  Sprachschatz  nach  allen  Worten  animalischer
Witterung  durchzusieben,  um  dann  an  der  Hand  ihrer  Definitionen  ein
Natur-System  in  Angriff  zu  nehmen.  Nur  das  unzerfällende  Denken
wähnt  sich  mehr  oder  minder  in  dieser  Zwangslage!  Ein  Wahn,  der
unter  dem  Patronate  unserer  hergebrachten  Logik  steht,  aber  dem
wirklichen  Sachverhalt  kein  Tüpfelchen  raubt.
Auf  der  Grundlage  des  früher  erwähnten  „kürzesten  Inventars“
ließe  sich  jederzeit  ein  vollständiges  Inventar  der  Gegenstände
jener  Welt  anstreben.  Man  brauchte  nur  nach  allen  Richtungen  hin
'  »Geschehnisse“,  „Vorgänge“,  „Bestände“,  „Fortbestände“  —  die
            
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