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„Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung 1
anschaulichsten Einheit, des Ichs, erfaßlich sind!
Reicht der Allzusammenhang über die Möglichkeit der Individuation
hinaus, so bleibt Alles unter dieser Möglichkeit, was zwar i m System,,
aber nicht mehr als System erfaßbar ist; in vorbildlicher Weise gilt
dies von der Vorstellung des „Atoms“. Innerhalb dieser Extreme ist
wenigstens in formaler Hinsicht die Individuation möglich, ob sie
außerdem an inhaltliche Voraussetzungen gebunden ist, steht noch
dahin. Vorläufig handelt es sich um den Sinn jener Reihenbildung,,
die den durchgängigen Zusammenhang aller überhaupt erfaßbaren
Individuen darstellt.
Blickt man gleichsam vom Allzusammenhang her aul die Totalität
dieser Reihenbildung, dann ergibt sich diese als eine fortschreitende
Zergliederung, als eine Entfaltung des Allzusammenhanges. Er
weitern wir einfach unser Beispiel auf die geläufige Vorstellung, wie
sich das Erdrund in Ozeane und Kontinente zerteilt, jeder Kontinent
wieder — in „orographischer“ Hinsicht — in umfassende Systeme der
Bodengestaltung, z. B. also Gebirgssysteme, diese in Gebirge, so daß
wir schließlich bis zu unserem Berge gelangen könnten, wie zu jedem
beliebigen anderen Konkretum. Wir sehen, daß hier jedesmal ein
System nach seinen Teilsystemen auseinandergelegt
wird. Macht nun dieses Auseinanderlegen schon den Vorgang der
Explikation aus?
Legt man ein System dergestalt nach seinen Teilsystemen aus
einander, so geht im Grunde nichts vor, als daß man im Angesichte
eines Ganzen alle seine Teile aufzählt. Aber selbst von der Struktur
bestimmung, die doch nur ein Element der Individuation ist, war zn
sagen, daß sie mehr als die bloße Aufzählung der Teile eines Ganzen
sei. Dies muß erst recht von der Explikation gelten, sofern sie
der Individuation die Wage halten soll. Im Wesen der Explikation
muß sich also ein tieferer Sinn der Reihenbildung bergen. Es geht
aber die Strukturbestimmung so über das bloße Aufzählen der Teile
hinaus, daß sie das Verhältnis der Teile zum Ganzen zu
erhellen sucht; wobei uns dieses zentrale Verhältnis zugleich über jenes
der Teile untereinander auf klärt. Allein der Aufbau des Ganzen
ist hier immer nur im nomothetischen Geiste zur Erkenntnis
gebracht. Nun lehnt sich zwar auch die Explikation an das
Kollektiv-Allgemeine an; auch ihr wird das Verhältnis der Teile unter
einander und zum Ganzen das notwendige Objekt bleiben. Der
wesentliche Unterschied liegt aber im Hervorbrechen der idio-
graphischen Tendenz 1 Nicht, wie überhaupt die Teile das
Ganze aufbauen, sondern wie ihr Verhältnis untereinander und zum