Full text : Wirtschaft als Leben

Nationalökonomische  Erläuterung,  VI.

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seiten  dessen,  dem  meine  Auffassung  des  Heutigen,  als  bloßen  „Falles“
von  Wirtschaft,  in  die  Nase  sticht;  denn  ihm  selber  erscheint  die
Gegenwart  sinnvoll  nur  als  verlängerte  Vergangenheit,  die  Zukunft  nur
als  ein  festes  Sitzenbleiben  auf  der  Gegenwart.  Für  die  andere  Seite,
da  hätte  selbst  die  Gegenwart  nur  als  Sprung  in  die  Zukunft  hinüber
einigen  Sinn,  und  so  erscheint  die  Vergangenheit  schon  gar  von
keinerlei  Belang.  Natürlich  ist  mit  diesen  Anschauungen  über  den
Wert  der  Vergangenheit,  da  sie  jenseits  von  Wahr  und  Falsch  halten,
keine  Diskussion  möglich.  Dagegen  wird  es  der  Erkenntniskritik  wohl
nicht  schwer  fallen,  schlüssig  zu  vertreten,  wie  sehr  sich  dieser  angebliche ­
  „Historismus“  einfach  in  der  Bahn  der  Notwendigkeiten  richtigen
Erkennens  bewegt!  So  viel  war  hier  schon  zu  sagen,  es  bleibt  schließlich ­
  eine  Aufgabe  der  Erkenntnis  wie  jede  andere  auch,  sucht  man
nicht  bloß  der  Wirtschaft  um  uns  geistig  Herr  zu  werden,  sondern
auch  der  verklungenen  oder  der  entlegenen  Wirtschaft.  Ist  die  herkömmliche ­
  Theorie  dem  nicht  voll  gewachsen,  muß  unweigerlich
Remedur  eintreten.  Dies  besorgt  die  allwirtschaftliche  Auffassung.
Wer  sie  deshalb  des  „Historismus“  anklagt,  nun,  der  kann  auch  ruhig
dem  Dachdecker  Verstiegenheit  nachsagen  oder  dem  Zoologen  animalische ­
  Neigungen.
Remedur  ist  in  der  anderen  Richtung  nicht  minder  geboten.  Nur
scheinbar  ist  eine  Theorie,  die  sich  vor  aller  andersgearteten  Wirtschaft
zu  schwach  erweist,  um  so  stärker  in  bezug  auf  die  Wirtschaft  von
heute.  Gewiß  nicht  auf  solche  Art  läßt  sich  das  wissenschaftliche
Denken  zu  einem  „Spezialwerkzeug“  für  bestimmte  Aufgaben  gestalten.
Bewegt  sich  eine  Theorie  so  ganz  zwangsläufig,  der  einseitigen  Problematik ­
  gemäß,  in  ihrem  Denken,  so  erblüht  daraus  überhaupt  kein
Vorzug  für  sie;  und  ausdrücklich  auch  nicht  jenem  Vorwurf  gegenüber,
dem  sich  das  Denken  dabei  zuwendet,  nämlich  der  Wirtschaft  von
heute.  Auch  in  dieser  Hinsicht  besagt  es  immer  nur  ein  einseitiges
und  hilfloses  Festgeranntsein  des  theoretischen  Denkens.  Darin  liegt
nichts  von  besonderer  „Begabung“  für  Erkenntnis  des  Heutigen,  sondern
klipp  und  klar  nur  Beschränktheit  überhaupt.  Oder  sollte  sich  die
Sünde  nicht  rächen,  wenn  das  theoretische  Denken  einer  Wissenschaft
so  wenig  über  sich  selbst  Bescheid  weiß,  so  wenig  sich  selber  in  der
Hand  hat,  daß  es  automatisch  einseitig  sich  bewegt?  Es  rächt  sich
dies  vorerst  so,  daß  sich  die  Theorie  für  die  Wirtschaft  stets  wieder
am  Erwerb  vergreift.  Wie  weithin  aber  sind  Wirtschaft  und  Erwerb
zweierleil  Wem  das  heute  noch  nicht  aufgegangen  ist,  dem  ist  wirklich ­
  nicht  zu  helfen.  Heute  sieht  man  vielfach  den  Erwerb,  gleichwohl
ihn  selber  die  schwersten  Krisen  umlauern  und  fallweise  auch  ereilen,
            
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