Full text : Wirtschaft als Leben

Einleitung.

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unselige  Sucht  unserer  Wissenschaften,  es  der  mechanistischen  Naturwissenschaft ­
  gleichtun  zu  wollen,  um  nur  ja  der  Technik  des  Geschäftes
nachlaufen  zu  können.  Dem  Leben,  das  eitel  Gestaltung  und  Schicksal
ist,  sind  diese  Disziplinen  Erkenntnis  schuldig  und  spotten  ihrer  selbst,
indem  sie  Größenprobleme  allen  voransetzen,  um  so  nicht  minder  in
der  Rechnung  stets  das  letzte  Wort  zu  suchen.  Was  macht  schließlich
der  durchschnittliche  Theoretiker  unseres  Faches  aus  der  Wirtschaft?
Eine  Welt  des  autonomen  Objekts,  eine  „Güterwelt“,  und  ihr
gegenüber  setzt  er  eine  Puppe,  den  „Hampelmann  des  Erwerbs“;  so
muß  man  es  wohl  nennen,  was  da  als  Ersatz  sich  aufspielt  für  die
repräsentativen  Subjekte  der  Gebilde,  aus  denen  sich  die  Wirtschaft
als  Leben  aufbaut.  Damit  ist  das  Szenarium  gestellt,  um  nun  mit  einer
platten  Mechanik  des  Größenspieles  in  der  Wirtschaft  aufzuwarten.
Wenn  solche  Dinge  als  Lösung  dort  geboten  werden,  wo  man  Erkenntnis ­
  des  Lebens  sucht,  soll  dies  auf  Wissenschaft  erpicht  machen?
Soll  dieses  Puppentheater  denen  Respekt  einflößen,  die  sich  in  einer,
auch  geistig  so  schwer  ringenden  Zeit  der  Wissenschaft  nähern?
Kein  Eindruck  aber  ist  so  nachhaltig  und  verhängnisvoll  zugleich,
als  der,  daß  in  unserer  Theorie,  von  der  ersten  Grundlegung  bis  zur
„letzten  Wahrheit“,  nichts  gesagt  werden  kann,  was  nicht  vom  „Standpunkt“ ­
  abhinge.  Nur  der  Fachmann  stumpft  gegen  diesen  Eindruck
ab  und  hilft  sich  so  oder  so  darüber  hinaus.  Entweder  rettet  er  sich
auf  eine  „mittlere  Linie“,  oder  er  täuscht  sich  „Übereinstimmungen“,
»feststehende  Wahrheiten“  vor,  die  im  Grunde  nur  seine  eigene
Stellungnahme  widerspiegeln.  Aber  die  Tatsache  schroffer  und  eben
auch  gesinnungsmäßiger  Zerklüftung  unserer  Theorie  bleibt  aufrecht,
ihre  förmliche  Selbstverneinung.  Wo  ist  da  nun  Wahrheit?  Nichts
kann  erschütternder  sein  als  diese  völlige  Erschütterung  alles  Glaubens
an  unerschütterliche  Erkenntnis.  Was  geboten  wird,  gibt  sich  für  Erkenntnis ­
  aus,  ist  letzten  Endes  doch  nur  Bekenntnis,  als  das  aber  von
einer  ungewollten  Unaufrichtigkeit!  Gut,  dann  lieber  gleich
ein  Bekenntnis  offen  und  frei,  man  folgt  der  Fahne,  die  frisch
voranweht  —  statt  nur  über  ihre  Fetzen  intellektuell  zu  stolpern.  Ist
dieses  Räsonnement  so  unberechtigt?  Kein  Zweifel,  es  treibt  im  Unterbewußtsein ­
  der  Zeit  sein  Wesen.  Ein  Zustand  aber,  wo  ehrliches,
'wahrheitsuchendes  Denken,  wie  es  aufgerüttelt  ist  von  der  Unruhe
dieser  Zeit,  sich  schon  gefühlsmäßig  abkehren  muß  von  der
Wissenschaft,  kann  unmöglich  ein  gesunder  sein.  Dies,  so  will  es  mir
scheinen,  gibt  erst  recht  der  Kritik  das  Wort.
            
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