Full text : Wirtschaft als Leben

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„Vom  Wirtschaftsleben  und  seiner  Theorie“,

hangssurrogat  des  Naturgesetzes  erst  dressieren  wollen  —  nun,  ebensogut ­
  könnte  man  Schwimmkurse  für  Fische  einrichten.
Ähnlich  liegt  es  mit  der  Forderung,  nationalökonomische  Theorie
müsse  sich  zu  „exakter“  Theorie  in  mathematischem  Kleide  läutern.
Integrale  nehmen  sich  in  der  Wissenschaft  immer  wunderschön  aus,
besonders  wenn  man  sie  nicht  versteht.  Allein,  so  zahlensprühend
auch  das  Wirtschaftsleben  durch  Preise  und  Preisähnliches  ist,  nur  dem
oberflächlichen  Anschein  nach  ergibt  sich  daraus  Verrechenbarkeit  im
mathematischen  Sinne.  Wo  eben  alles  aufgeht  in  Zusammenhang,  da
fehlt  es  grundsätzlich  an  der  tiefsten  Voraussetzung  mathematischer
Funktionalbeziehung,  an  dem  spezifisch  Zusammenhanglosen  der  Einheit, ­
  als  Mengenelement.  Einer  grundsätzlich  mathematischen  Behandlung ­
  ist  der  Stoff  unserer  Erkenntnis  mithin  bloß  im  Wege  logischer
Gewalttat  zugänglich,  der  eben  alles  möglich  bleibt;  an  sich  aber  ist
diese  ebenso  deplaziert,  als  wenn  man  jene  Fische  überdies  noch
frisieren  wollte.  Adolf  Exner  hat  in  seiner  prachtvollen  Rektoratsrede ­
  über  „politische  Bildung“  schon  1891  gesagt:  „Die  Befangenheit
der  Geister  in  den  naturwissenschaftlichen  Denkformen  ist  der  Zopf
des  Jahrhunderts“.  Dieser  Zopf  hängt  vielen  Fachgenossen  heute  noch
hinten,  im  Sinne  eines  Vorgehens  nach  dem  Schema  F  der  Naturwissenschaft. ­
  Ich  verstehe  durchaus  jenen  Drang  nach  höherer  Wissenschaftlichkeit, ­
  aber  der  Weg  dorthin  geht  wohl  über  die  Selbstbesinnung
des  Denkens,  nicht  über  frommen  Selbstbetrug.
Wäre  auch  jene  allgemeine  Einstellung  auf  Wirtschaft  als  Leistung
falsch?  Sie  keineswegs.  War  etwa  die  Technik  der  Steinzeit  falsch?
Falsch  ist  auch  jene  Grundanschauung  nicht,  aber  naiv  ist  sie,  aufgelegte ­
  Anfängerei.  So  muß  auch  beileibe  nicht  alles  irrig  sein,  was
auf  dem  Boden  dieser  Grundanschauung  erwachsen  ist.  Nicht  Umsturz
aller  Theorie,  sondern  ihre  Läuterung  und  Vertiefung  gilt  es.
Was  will  denn  überhaupt  Theorie?  Das  Erfahrene  in  Einheit  zu
Ende  denken.  Alle  Erfahrung  ist  ja  bereits  Gedachtes,  jede  Tatsache,
ob  nun  „Faktum“  oder  „Datum“,  geht  schon  aus  der  Eindenkung  des
Erlebten  hervor.  Also  schon  die  empirische,  die  Forschung  in  Tatsachen, ­
  spinnt  an  den  geistigen  Fäden  der  Erkenntnis,  Theorie  aber
zieht  diese  Fäden  einheitlich  zusammen  und  erarbeitet  so,  von  der  Erfahrung ­
  her,  einen  begrifflichen  Allzusammenhang;  für  uns  wäre  es
richtiger,  zu  sagen,  daß  Theorie  den  Allzusammenhang  des  Erlebten
begrifflich  nachgestaltet.  Ausdrücklich  dies  ist  hier  das  letzte  Erkenntnisziel, ­
  und  nicht  die  unbewußte  Komik  der  „Gesetzessuche“.  Liefert
uns  auch  die  herkömmliche  Güterlehre  einen  solchen  Allzusammenhang? ­
  Natürlich  tut  sie  es,  nichts  anderes  ist  ja  der  sog.  „Kreislauf
            
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