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Vom Wirtschaftsleben und seiner Theorie“,
Leistung zu sehen. Die Unternehmung vielmehr bewährt sich auch
damit als wirkende Einheit, im Sinne einer Ertragsquelle. Aber sie tut
es auch im Sinne einer Quelle persönlichen Erwerbs, für Arbeiter
und Angestellte, anders wieder für die Lieferanten und Kreditoren;
vor allem auch im Sinne einer Versorgungsquelle, soweit von seiten
der Unternehmung produziert oder Tausch oder Kredit oder Verkehr
vermittelt wird. Woraus geht nun schlechthin die Dauer der Unter
nehmung als wirkender Einheit hervor ? Unsere Neuromantiker sagen,
aus der Wiederkehr der Zielsetzung, also wohl so, daß immer wieder
Ertrag erstrebt würde. Daran ist so viel richtig, daß bei einer soge
nannten „Liquidation“ oder „Aufgabe des Geschäfts“ das Ertragstreben
hinsichtlich der Unternehmung erlischt, und damit auch die Unter
nehmung selber. Nichts kann ja klarer sein, als daß zugleich mit der
„Dominante“, mit der im Geschehen selber enthaltenen, „währenden“
Urbedingung seines Verlaufes, auch das Geschehen aussetzt. Es ist
auch richtig, daß alle die vielerlei Strebungen, die sich außerdem noch
in der Unternehmung erfüllen — z. B. also das Streben nach Lohn
und Gehalt oder jenes Streben nach Versorgung, das sich in der
Nachfrage bekundet — daß sich alle diese Strebungen in ihrer Ver
knüpfung mit dem Unternehmen sozusagen als Dauerstreben aus-
weisen. Bevor aber beispielsweise eine Geschäftsaufgabe aus Willkür
eintritt, behauptet sich bis dahin die Unternehmung wirklich nur kraft
Wiederkehr der Zielsetzung ? Beim Bankerott etwa, da bricht die Unter
nehmung doch nicht deshalb zusammen, weil das Ertragstreben nicht
mehr wiederkehrt; sondern umgekehrt, infolge des Zusammenbruches
bleibt diese Wiederkehr aus. Ihr ist also dann irgendwie der Boden
entzogen, ihr und allen übrigen Zielsetzungen. Ein Gegenbeispiel: Der
Hunger kehrt doch beim schon Verhungerten auch nicht wieder, da
muß sich immer erst Sättigung einschieben; also trifft richtige Wieder
kehr des Hungers und seiner Zielsetzung, nämlich des Strebens nach
Ernährung, auch nur dann zu, sobald in dieser Hinsicht die Ver
sorgung irgendwie gewährleistet bleibt. Mithin muß sich die Wieder
kehr der Zielsetzung selber noch auf etwas anderes gründen. Nicht
aber sichert allein schon diese Wiederkehr den Bestand der Unter
nehmung. Es muß vielmehr irgendwie eine Bürgschaft dafür geboten
sein, daß mit der Leistung zugleich auch die Zielsetzung wiederkehren
kann.
Was liefert nun diese Bürgschaft? Gestaltung tut es; jedoch
nicht einfach ein Gestalten von Leistung, nicht einfach eine Koordi
nation mannigfaltig sich „entsprechender“ Vorgänge zur Einheit einer
Leistung. Ein Ins-Leben-Gestalten liegt hier vor, Gestaltung nämlich