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,Der Wertgedanke“,
setzen, daß es sich vielmehr erst durch die Antwort auf die Kritische
Wertfrage entscheiden soll, ob in diesem Sinne überhaupt
etwas zu erledigen seil
Die Tragweite der Kritischen Wertfrage wird richtig ermessen,
sobald man sich vorhält, daß mit ihr die Gültigkeit des Wert
gedankens in Frage gestellt ist. An dieser Gültigkeit hängt aber
doch sehr viel! Der Wertgedanke ließ sich als eine unbewußte Grund
lage des Denkens nachweisen, das für unsere Wissenschaft als das her
kömmliche gelten darf. Die Gültigkeit dieses Gedankens in Zweifel
setzen, heißt eigentlich die ganze nationalökonomische Forschung in
Mitleidenschaft ziehen. Nach dieser Hinsicht kann man sich die Trag
weite jener Frage im Hinblicke auf den Umstand vergegenwärtigen,
daß es sich mit ihr entscheiden muß, zunächst, ob in unserer Wissen
schaft die Naive Wertfrage („Was ist der Wert?“) ihren zugleich alltäg
lichen und brennenden Charakter beibehalten darf. Weiters, ob man
auch fernerhin, wie es bisher mit naiver Unbefangenheit geschieht, die
Namen „Wertlehre“, „Wertdoktrin“ usw. aber auch Ausdrücke wie
„Wertproblem“, „Dogmengeschichte des Wertes“ u. a. m. buchstäb
lich nehmen kann. Vor allem aber, ob es ganz im allgemeinen an
geht, mit jener Unbefangenheit von „dem Werte“ zu sprechen, wie
es in den verschiedensten Zusammenhängen und bei unzähligen Gelegen
heiten bisher getan wird.
Denn in allen diesen Fällen muß man sich den Wertgedanken
als eine stillschweigende Voraussetzung unterliegen denken, wird also
die Behauptung im Wertgedanken unbewußt als wahr behandelt.
Alle diese Vorkommnisse gewinnen daher einen fraglichen Charakter,
sobald einmal jene Behauptung zur Kritischen Wertfrage umgestürzt
erscheint; und von der letzteren Antwort muß es offenbar abhängen,
ob die herkömmliche Denk- und Sprechweise, soweit jene Vorkomm
nisse in Betracht fallen, zu berichtigen oder zu bestätigen sei.
Dahinaus könnte unser Beginnen von einer merkwürdig ein
schneidenden Wirkung sein. Denn es ist zweifellos eine höchst be
fremdende Vorstellung, daß sich die Wissenschaft der Nationalökonomie
genötigt sehen könnte, ihr bisheriges Verhalten zu einem ihrer viel
gebrauchtesten Ausdrücke von Grund aus ändern zu müssen.
Noch dazu, wenn sie hinter diesem Ausdrucke etwas zu vermuten ge
wohnt ist, was einmal schon geradezu als der „Eckstein“ ihres theo
retischen Gebäudes gerühmt worden und was nie aufgehört hat, dieser
Wissenschaft gegenüber die Rolle der „Großen Unbekannten“ zu
spielen. Und nun — denn im Grundsätze erscheint ja nunmehr auch
dies möglich — der Gedanke an eine Nationalökonomie, die nicht etwa