ß. Die Beeinflussung von Konjunktur und Konjunkturwandel. 259
diese Weise imstande gewesen sind, ohne Schwierigkeiten und
für den Außenstehenden unbemerkbar, Millionenverluste bilanzmäßig
zum Ausgleich zu bringen. In diesem Sinne kann also eine
vorsichtige Bilanz- und Dividendenpolitik dazu beitragen, daß bei
Eintritt einer rückläufigen Konjunktur das Wirtschaftsleben vor zu
umfassenden und schweren Erschütterungen verschont bleibt.
Nicht minder wichtig kann jedoch der Einfluß einer solchen
Dividendenpolitik auf den Gang der Konjunktur als solcher sein.
Wir haben ja oben gesehen, daß es sich bei einem Konjunkturrückgang,
bezw. einer Krise, im allgemeinen darum handelt, daß
das erforderliche Gleichgewicht zwischen Konsumtion und Produktion
fehlt, wir haben ferner gesehen, daß eines der erfolgreichsten
Mittel, um das jähe Auf und Ab im Wandel der Konjunktur zu
mildem, darin liegt, in der Zeit der Hochkonjunktur das Wirtschaftsleben
vor spekulativen Ausschreitungen zu bewahren, daß
eine gewisse Mäßigung in der Hausse eine Gewähr dafür bietet,
daß der Abstieg der Konjunktur sich weniger plötzlich und schroff
vollzieht, als es sonst der Fall gewesen wäre. Wenn es also das
Ziel der Konjunkturpolitik ist, abflauend auf die Wellenbewegung
der Konjunktur einzuwirken, die Höhe- und die Tiefpunkte derselben
einander anzunähern, durch einen mäßigendem Einfluß
während der Hochkonjunktur dafür zu sorgen, daß der kommende
Abstieg kein zu tiefer ist, so zeigt eine einfache Überlegung, daß
die oben geschilderte Bilanz- und Dividendenpolitik diesem Ziele
in hohem Maße dient.
Das ist einmal schon deshalb der Fall, weil ja jeder Konjunkturrückgang
bei der Industrie mit einer starken Entwertung der Warenlager
und bei den Banken mit einer Entwertung der Effekten Hand
in Hand geht und weil reichliche Abschreibungen darauf während
der Hochkonjunktur, d. h. Minderbewertungen dieser Bestände,
gegenüber dem Marktwerte in der Hochkonjunktur, diese Entwertung
bei einem Konjunkturrückgang bereits eskomptiert haben.
Auf der anderen Seite jedoch bedeutet diese Tatsache, daß
während der Hochkonjunktur gemachte Gewinne während derselben
nicht zur Ausschüttung gelangen, daß während dieser Periode des
Wirtschaftslebens die Kaufkraft der Bevölkerung nicht so sehr ansteigt,
wie es der Fall gewesen wäre, wenn ein größerer Teil der
Während der Hochkonjunktur gemachten Gewinne während der
Dauer derselben auch zur Verteilung gelangt wäre. In dem Maße,
in dem dann eine solche Dividendenpolitik zu einer Stabilisierung
der Dividenden beiträgt, d. h. es möglich macht, auf Grund der
während der Hochkonjunktur gemachten Gewinne, in der Depression