Full text : Die Kaufkraft des Geldes

Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  123

Gebrauch  zu  machen,  was  entweder  durch  Einkauf  von  Waren  oder  durch
dessen  Deponieren  in  den  Banken  geschieht.  So  werden  die  überraschten
Empfänger  des  Extrageldes  einige  Tage  nach  dem  angenommenen  Besuch
des  Weihnachtsmannes  in  den  meisten  Fällen  in  der  einen  oder  der  anderen
Weise  über  das  Geld  verfügt  haben.  Wenn  sie  es  für  den  erstgenannten
Zweck,  nämlich  zum  Einkauf  von  Waren,  verwendet  haben,  muß  die  Tendenz
zu  einem  Steigen  der  Preise  auftreten,  denn  der  auf  den  Kopf  berechnete
plötzliche  Zuschuß  von  $  15  wird,  selbst  bei  einem  kleinen  Bruchteil  der
Bevölkerung  der  Vereinigten  Staaten,  einen  phänomenalen  Andrang  in  die
Kaufhäuser  bedeuten.  An  tatsächlichem  Gelde  gibt  das  Durchschnittsindividuum ­
  nicht  mehr  als  15  Dollar  in  zwei  Wochen  aus.  Dies  beträgt
ungefähr  einen  Dollar  pro  Tag  oder  ungefähr  $  100,000,000  pro  Tag  für
das  ganze  Land.  Wenn  die  Durchschnittsperson,  sagen  wir  innerhalb  fünf
Tagen  nach  dem  unerwarteten  Glücksfalle  eines  Zuschusses  von  $  15  diese
besondere  Summe  ausgibt,  so  beträgt  dies  auf  den  Kopf  berechnet  $  3  pro
Tag  oder  täglich  $  300,000,000  für  die  ganze  Nation.  Diese  Summe  zu  den
gewöhnlichen  $  100,000,000  pro  Tag  addiert,  ergibt  $  400,000,000  pro  Tag
oder  das  Vierfache  des  gewöhnlichen  Aufwandes.  Ein  so  lebhafter  Handelsverkehr ­
  würde  die  Inhaber  der  Warenhäuser  in  Staunen  setzen  und  prompt
zu  einer  Erhöhung  ihrer  Preise  veranlassen,  weil  sonst  in  vielen  Fällen  eine
gänzliche  Erschöpfung  ihrer  Vorräte  eintreten  würde.
Auf  den  ersten  Blick  scheint  es,  als  ob  jedermann  nur  einige  Tage  Zeit
brauchte,  um  seinen  Überschuß  an  Geld  los  zu  werden,  und  daß  daher  die
große  Bewegung  in  den  Preisen  nur  zeitweilig  wäre.  Dies  erwiese  sich  aber
als  eine  irrige  Schlußfolgerung,  denn  wir  dürfen  nicht  vergessen,  daß  die
einzige  Möglichkeit,  das  Geld  loszuwerden,  darin  besteht,  es  jemand  anderem
zuzuschieben.  Die  bürgerliche  Gesellschaft  ist  von  dem  Gelde  noch
nicht  befreit.  Wenn  die  Inhaber  der  Warenhäuser,  deren  Geldbestand  unter
unserer  Weihnachtsmannhypothese  auf  geheimnisvolle  Weise  bereits  eine
Verdoppelung  erfuhr,  noch  außerdem  das  überflüssige  Bargeld  ihrer  Kunden
bekommen,  so  sind  sie  es  jetzt,  die  durch  den  Überfluß  an  Bargeld  in  Verlegenheit ­
  geraten  und  sich  nun  ihrerseits  bemühen,  das  Geld  durch  Einkauf
von  Waren  für  ihr  Geschäft  loszuwerden,  oder  es  in  denBanken  zu  deponieren.
Wenn  das  Bestreben,  sich  von  dem  Gelde  durch  Übertragung  zu  befreien,
bloß  dahin  führt,  daß  jemand  anderer  das  Zuviel  erhält,  dann  bleibt  das
Zuviel  in  dem  Gemeinwesen  unverändert.  Das  Bestreben,  das  Geld  loszuwerden ­
  und  die  konsequente  Wirkung  auf  die  Preise  dauert  solange  fort
bis  das  Preisniveau  die  genügende  Höhe  erreicht  hat.
Um  diese  Schlußfolgerung  kann  man  auch  durch  die  Annahme  nicht
            
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