Die Bodenreform im Lichte des Freihandels. 80
vollen Schönheit der Gerechtigkeit durchgeführt werden.
Langsame und organische Übergänge von jetzigen Verhältnissen
zu Neugestaltungen müssen gesucht werden. Wir
haben schon darauf hingewiesen, zu welchen Konsequenzen
die Anschauungen über eine immerfort steigende Grundrente
als impöt unique im Programme des Bundes für Bodenbesitzreform
führen müßten, denen sich der Ankauf des
gesamten Bodens nach Abschätzung würdig anschließt.
Wie mechanisch diese wirtschaftliche Umwälzung der Bodenreform
gedacht ist und wie schroff sich die Lebens- und
Weltanschauungen vieler Bodenreformer gegenüberstehen,
zeigt am Besten die Aufforderung einiger an die Sozialdemokraten,
sich dem Wege der Landreform anzuschließen..
Ganz gewiß mag es für manchen ehrsüchtigen Führer
etwas Verführerisches haben, eine so große Mehrzahl zu
sich herüberzuziehen und sich an der Spitze zu fühlen,,
aber wir meinen doch, die Landnationalisation ist für konsequente
Denker auf eine Welt- und Lebensanschauung
gegründet, welche nun einmal ein Paktieren mit der, auf
welcher der sozialdemokratische Sozialismus beruht, nicht
verträgt. Unsere Bodenverstaatlichung geht bei dem ersten
Reformschritte einen anderen Weg, als die Sozialdemokratie
will. Man denke nur an die Parzellierung, wie sie den
Bodenreformern vorschwebt, im Gegensätze zum Großbetriebe
jener.
Um diesem Liebäugeln, welches der Redakteur der „Neuen
Zeit“ besonders drastisch und in ehrlicher Weise abgelehnt
hat, ein Ende zu machen und eine Marschroute zu gewinnen,
welche unseres Erachtens gar bald der inneren Überzeugung
der meisten Bodenreformer entsprechen wird, stellten wir
zur Generalversammlung des Bundes für Bodenbesitzreform
im August 1890 einen Antrag, der zunächst darauf hinauslief,
die Annahme einer fort und fort steigenden Grundrente
im Reformstaate zu beseitigen, und die Bewegung —