Full text : Die Kaufkraft des Geldes

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IV.  Kapitel.

Goldquantums  getan  hatte x ).  Die  Preise,  welche  der  Höhe  des  Zinsfußes
vorher  bereits  vorausgeeilt  waren,  streben  darnach,  ihr  noch  weiterhin  vorauszueilen ­
  und  setzen  dabei  die  Entlehner,  welche  ihre  Gewinne  ohnedies
schon  erhöhten,  in  den  Stand,  sie  noch  weiter  zu  erhöhen.  Die  Nachfrage
nach  weiteren  Anleihen  wächst  und,  obwohl  der  nominelle  Zinsfuß  etwas
in  die  Höhe  geschraubt  wird,  so  bleibt  er  doch  unter  dem  normalen  Niveau
zurück.  Nominell  hat  sich  die  Zinsrate  doch  erhöht,  und  infolgedessen
werden  auch  die  Darleiher,  die  Banken  inbegriffen,  zu  größeren  Unternehmungen ­
  veranlaßt.  Durch  die  höheren  nominellen  Raten  zur  irrtümlichen
Annahme  verleitet,  daß  ziemlich  hohe  Zinsen  erlangt  werden  können,  erweitern ­
  sie  ihre  Darlehen,  und  mit  der  resultierenden  Erweiterung  des  allgemeinen ­
  Bankkredits  vermehrt  sich  der  an  sich  schon  umfangreiche  Depositenumlauf ­
  (Cr')  in  noch  höherem  Maße.  Wenn  die  Preise  steigen,  kann
auch  der  Geldwert  von  Effektendepots  größer  geworden  sein,  wodurch  es
den  Entlehnem  leichter  gemacht  wird,  großen  Kredit  zu  erhalten 1  2 ).  Infolgedessen ­
  steigen  die  Preise  noch  weiter 3 ).  Diese  Wirkungsfolge  der
Ereignisse  kann  in  folgender  Form  kurz  ausgedrückt  werden:
1.  Die  Preise  steigen  (die  Ursachen  können  verschieden  sein;  wir  haben
zur  Verdeutlichung  ein  Anwachsen  des  Goldbestandes  gewählt).
2.  Die  Zinsrate  nimmt  zu,  aber  nicht  genug.
3.  Die  durch  großen  Gewinn  ermutigten  Unternehmer  („Enterprisers“,
um  Professor  Fetters  Ausdruck  zu  gebrauchen)  erweitern  ihre  Anleihen.
4.  Der  Depositenumlauf  (Cr")  vermehrt  sich  im  Verhältnis  zum  Gelde  (Cr).
5.  Die  Preissteigerung  dauert  fort,  d.  h.  das  Phänomen  Nr.  1  wiederholt
sich.  Dann  wiederholt  sich  Nr.  2  und  so  weiter.
Mit  anderen  Worten:  eine  geringfügige  anfängliche  Preissteigerung
setzt  eine  Reihe  von  Ereignissen  in  Bewegung,  welche  die  Tendenz  haben,
diese  Preissteigerung  zu  wiederholen.  Eine  Preissteigerung  bringt  immer
die  andere  mit  sich,  und  zwar  solange,  wie  der  Zinsfuß  hinter  seiner
normalen  Ziffer  zurückbleiM.

1 )  Siehe  den  Artikel  von  Knut  Wicksell  in  den  Jahrbüchern  für  Nationalökonomie
1897  (Band  68),  S.  228—243,  betitelt:  „Der  Bankzins  als  Regulator  der  Warenpreise.“
Obgleich  es  sich  in  diesem  Artikel  nicht  direkt  um  einen  Kreditzyklus  in  bezug  auf  Paniken
handelt,  so  bezeichnet  er  doch  den  Zusammenhang  zwischen  der  Zinsrate  auf  Bankanleihen
und  Veränderungen  im  Preisniveau,  welche  auf  die  resultierende  Vermehrung  und  Verminderung ­
  solcher  Anleihen  zurückzuführen  ist.
2 )  Siehe  Kinley,  Money,  New  York  (Macmillan),  1904,  S.  223.
3 )  Siehe  Wicksell,  a.  a.  0.
            
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