Full text : Methodische Einführung in die allgemeine Wirtschaftsgeographie

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III.  Abschnitt.

diesem  Falle  dem  Meere,  und  dem  dasselbe  benutzenden ­
  Menschen  beschäftige.  Zusammenhängen,  wie  wir  sie  beim
Landverkehr  zwischen  Bahnstrecken  und  Siedelungen  und  in  anderen
Dingen  kennen  lernten,  auch  hier  mehr  als  bisher  nachzuspüren  und
sie  mit  Hilfe  bestimmter  Einheitsmaßstäbe  mit  möglichst  großer  Genauigkeit ­
  zu  ergründen,  ist  eine  Aufgabe,  deren  Verfolgung  uns  der
Lösung  wichtiger  Fragen  weit  näher  bringt,  als  die  vielfach  recht  allgemein ­
  gehaltenen  Ausführungen  einer  früheren  Zeit,  die,  wie  z.  B.
die  glänzend  geschriebenen  Arbeiten  eines  Ratzel,  mehr  vom  Standpunkte ­
  des  Philosophen  mit  diesen  Fragen  sich  beschäftigen.
Beginnen  wir  die  Erörterung  des  hier  großenteils  noch  zu  Leistenden ­
  mit  der  Betrachtung  der  Küsten,  so  können  wir  die  räumliche
Verknüpfung  von  Meer  und  Mensch,  bzw.  Staat  nicht  besser  beurteilen ­
  lernen  als  unter  Berücksichtigung  der  Seehäfen  und  ihrer
Bevölkerung.  Diese,  besonders  wenn  man  sie  wieder  in  Beziehung
zu  den  Siedelungen  eines  ganzen  Landes  setzt,  zeigen  besser  als  alles
andere  das  Gewicht,  das  der  Seeverkehr  in  dem  Wirtschaftsleben  eines
Staatswesens  erlangt  hat.
Beispiel:  Wenn  man  zunächst  einmal  die  Bedeutung  der  Häfen  ganz  allgemein ­
  betrachtet  und  verschiedene  Länder  miteinander  vergleicht,  so  vermag  schon
die  bloße  Zahl  wichtiger  Hafenorte  die  Bolle  zu  bezeichnen,  die  das  Seewesen  in
bestimmten  Gebieten  spielt.  Um  das  Jahr  1009  besaß  Europa  60  Häfen,  denen  man
ihrem  Verkehr  nach  eine  größere  Wichtigkeit  für  den  Weltverkehr  zuschreiben  durfte.
D.  h.  es  kamen  auf  je  100  000  qkm  deren  0,6,  scheinbar  keine  sehr  große  Zahl,  aber
doch  viel  größer  als  in  irgendeinem  anderen  Kontinente.  Nun  kamen  aber  von
diesen  allein  20  auf  Großbritannien  nebst  Irland,  und  das  ergibt  für  die  eben  angeführte ­
  Einheitsfläche  die  Verhältniszahl  6,3.  Das  heißt,  in  Worten  ausgedrückt,  nichts
anderes,  als  daß  das  Inselreich  an  wichtigen  Landungsplätzen  im  Verhältnis  zu  seiner
Größe  mehr  als  zehnmal  so  reich  war  wie  der  ganze  Weltteil  und  annähernd  sechzehnmai
  so  reich  wie  alle  übrigen  Länder  des  Weltteils  im  Durchschnitt.  Ergibt  sich
aus  dieser  einen  Zusammmenstellung  schon  mit  hinreichender  Klarheit  die  Stellung
des  Vereinigten  Königreichs  im  Seeverkehr,  so  wird  diese  noch  schärfer  charakterisiert,
wenn  wir  noch  weitere  Größenklassen  von  Häfen  zur  Beurteilung  heranziehen.  So
die  Welthäfen  mit  einem  Ankunftsverkehr  von  mehr  als  5  Mill.  Begistertonnen  im
Jahre,  deren  es  um  die  eben  angeführte  Zeit  in  Europa  14  gab.  Von  diesen  kamen
allein  auf  England  und  Schottland  5,  das  Zahlenverhältnis  ergibt  also  für  das  Inselreich ­
  in  dieser  Klasse  ein  noch  etwas  günstigeres  Verhältnis  als  die  ersten  Ziffern.
Auch  das  Verhältnis  der  Einwohner  bestimmter  Gebiete  zum
Meere  beeinflußt  die  wirtschaftliche  Bedeutung  der  See  für  ein  Land
in  hohem  Grade,  und  auch  dieses  läßt  sich  auf  dem  Wege  der  Rechnung ­
  klar  erfassen.  Mit  der  Aenderung  dieser  zahlenmäßigen  Beziehung ­
  zwischen  der  Seelage  und  den  Bewohnern  eines  Staatsgebietes
ändert  sich  mit  der  Zeit  auch  die  Enge  des  innerlichen  Zusammenhanges ­
  zwischen  Mensch  und  Meer,  wie  wir  ihn  bei  den  echten  Seevölkern ­
  beobachten,  und  andere  Interessen  gewinnen  an  Gewicht  und
Einfluß  auf  Sinnen  und  Trachten  des  Volkes.  So  wohnten  beispielshalber ­
  noch  im  Anfänge  des  Jahrhunderts  40  vom  Hundert  aller  Nordamerikaner ­
  in  den  küstennahen  Staaten  der  Union  und  damit  innerhalb ­
  der  Einflußzone  des  Weltmeeres,  während  sich  das  Verhältnis
seither  von  Jahr  zu  Jahr  in  immer  zunehmendem  Maße  zugunsten
des  fernen  Innern  verschiebt.
Auch  in  dieser  Richtung  gibt  die  Nebeneinanderstellung  von
Häfen  und  Staatsgebiet  ein  einleuchtendes  Bild  der  Verkehrsbeziehungen
zwischen  Land  und  Meer,  wofür  wiederum  die  Union  gegenüber  europäischen ­
  Ländern  den  Beweis  liefert.  Wenn  man  die  Versorgungsfläche ­
  derjenigen  Häfen  berücksichtigt,  die  einen  Ankunftsverkehr  von
            
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