B. Stellung und Bedeutung der deutschen Zigarettenindustrie
auf dem Weltmärkte.
Das Absatzgebiet der meisten deutschen Zigarettenfabriken beschränkt
sich heute auf das Inland; nur ganz wenige Großbetriebe
arbeiten für den Export und auch diese nur in geringem Umfange.
Die Exportquote ist im Laufe der Jahre ganz erheblich gesunken;
sie machte im Jahre 1907 nur etwa 2 Prozent der Gesamtproduktion
aus gegenüber 29,9 Prozent im Jahre 1877. Der relativ bedeutende
Export in den siebziger und teilweise auch noch in den achtziger
Jahren vorigen Jahrhunderts kam hauptsächlich durch die großen
Lieferungsaufträge zustande, die damals die ital ienische Tabakregie
in Deutschland, namentlich an die hierauf besonders eingerichtete
Firma Laferme, erteilte *).
Im Laufe der Jahre hat man die Zigarettenfabrikation jedoch
in Italien, wo sich seit 1884 der Betrieb des (vorher an Privatunternehmer
verpachteten) Monopols in eigener Regie der Regierung
befindet, in immer größerem Umfange selbst aufgenommen, so daß
der deutschen Zigarettenindustrie dieses wichtige Absatzgebiet fast
ganz verloren gegangen ist. Die italienische Monopolverwaltung
bezieht heute aus Deutschland nicht mehr Zigaretten als die Monopolverwaltungen
anderer Länder, die auch nur unter Überwindung
größter Schwierigkeiten einen Import fremder Fabrikate in ganz beschränkter
Menge gestatten. Andere bedeutendere Abnehmer
haben sich für die deutsche Zigarettenindustrie nicht gefunden, denn
die meisten Länder, die überhaupt für einen Zigarettenexport noch
in Betracht kommen könnten — d. h. diejenigen, in denen die
Tabakfabrikation nicht Staatsmonopol ist — haben mit ganz wenigen
Ausnahmen Tabakfabrikate mit so horrend hohen Zollsätzen belegt,
daß es ein nutzloses Beginnen wäre, Zigaretten nach solchen Ländern
zu exportieren.
1) Yergl. Seite 5.
Zeitschrift für die ges. Staatswissenschaft. Ergänzungsheft 33.
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