Full text : Die deutsche Zigarettenindustrie

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Man  schlug  hier  also  dasselbe  Verfahren  ein,  wie  seinerzeit')  der
erste  Dresdener  Großbetrieb,  die  Kompagnie  Laferme,  die  sich  auch
eine  Schar  geübter  Arbeiter  aus  Rußland  kommen  ließ,  da  in
Dresden  damals  noch  so  gut  wie  gar  keine  Zigarettenarbeiter  zu
finden  waren.
Während  sich  nun  in  Dresden  schon  lange  ein  fester,  ortsansässiger ­
  Arbeiterstamm  gebildet  hat,  der  aus  deutschen,  von
jenen  Russen  angelernten  Arbeiterinnen  und  jetzt  schon  wieder
aus  deren  Abkömmlingen  und  Schülerinnen  besteht,  hat  die  junge
Berliner  Industrie  in  der  kurzen  Zeit  ihres  Bestehens  noch  keinen
ausreichenden,  eigenen  Arbeiterstamm  schaffen  können.  Sie  ist
deshalb  bis  zu  einem  gewissen  Grade  noch  immer  auf  die  ausländischen ­
  Arbeiter  angewiesen.
Bis  vor  wenigen  Jahren  war  es  in  Berlin  übrigens  ziemlich
schwer,  junge  Mädchen  zur  Ausbildung  als  Zigarettenmacherinnen
zu  gewinnen.  So  schrieben  die  Ältesten  der  Kaufmannschaft  von
Berlin  noch  vor  einigen  Jahren:  „Die  Zigarettenindustrie,  speziell
in  Berlin,  ist  zu  jung,  als  daß  sich  die  eine  Beschäftigung  suchenden ­
  jungen  Mädchen  mit  dem  Gedanken  vertraut  machen  könnten,
das  Zigarettenmachen  zu  erlernen  1  2 ).“
Es  ist  deshalb  nicht  verwunderlich,  daß  bis  vor  kurzem  (bis
Ende  1907  etwa)  ein  andauernder  Mangel  an  gelernten  Zigarettenarbeitern ­
  in  Berlin  bestand.
Behoben  worden  ist  dieser  erst  in  jüngster  Zeit,  teils,  weil
nach  und  nach  doch  eine  größere  Schar  von  Zigarettenarbeiterinnen
herangebildet  worden  ist,  teils,  und  dies  ist  der  Hauptgrund,  weil
in  der  allerletzten  Zeit  die  Berliner  Großfabrikanten,  wie  schon  erwähnt, ­
  immer  mehr  zur  Maschinenanfertigung  der  Zigaretten  übergegangen ­
  sind  und  somit  eine  größere  Anzahl  von  gelernten
Zigarettenarbeitern  entbehrlich  geworden  ist.  Es  sei  hierfür  nur
ein  Beispiel  angeführt:  Die  in  Berlin-Pankow  etablierte  Firma  Garbaty
  beschäftigte  bis  1906/7  etwa  vierhundert  Zigaretten-PIandarbeiter
und  -Handarbeiterinnen;  jetzt  hat  sie  dagegen  vier  Zigarettenmaschinen ­
  aufgestellt  und  beschäftigt  mit  Zigarettendrehen  nur  noch
hundertundachtzig  bis  zweihundert  Personen  3 ).  Ihre  Produktion  ist
dabei  heute  bedeutend  größer  als  früher.

1)  Vergl.  Seite  5.
2)  Berliner  Jahrbuch  für  Handel  und  Industrie  1907,  II,  Seite  123.
3)  Vergl.  Tabakarbeiter,  Jahrgang  1909,  No.  4  (Bericht  über  den  Tabakarbeiter-Kongreß ­
  zu  Berlin  am  18./20.  Januar  1909).
            
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