Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II.  Höhepunkt  und  Niedergang  der  klassischen  Schule:  Stuart  Mill.  399

schritt  gegenüber  der  Ricardo’s  dar,  daß  sie  uns  zu  sagen  gestattet,
in  welchem  Fall  ein  Land  vom  Gesichtspunkt  der  Nachfrage  seiner  Erzeugnisse ­
  einen  größeren  Vorteil  findet  und  infolgedessen  am  Tausch
mehr  gewinnen  kann.  Wird  dies  nun  das  ärmste  Land  sein,  oder  das,
das  industriell  am  höchsten  entwickelt  ist?  —  Stuart  Mill  sagt,  daß  es
das  ärmste  sein  wird,  und  hierin  bestätigt  er  das,  was  Bastiat  einfacher
f’Usgedrückt  hatte.  Warum  nun?  Weil  ein  reiches  Land  stets  in  der  Lage
ist,  eine  größere  Menge  Produkte  in  die  Wagschale  des  Tausches  zu  werfen
ein  armes  Land 1 ).
Wie  man  weiß,  verfechten  die  Schutzzöllner  die  gerade  entgegengesetzte ­
  Theorie,  nämlich  daß  es  im  internationalen  Austausch  stets
das  arme  Land  ist,  das  die  Rolle  des  Dummen  spielt:  Portugal  und  England ­
  wird  z.  B.  oft  von  ihnen  angeführt,  was  aber  eine  Beweisführung
^aum  ersetzen  kann.
Trotz  dieses  Unterschiedes  der  Gesichtspunkte  ist  Stuart  Mill
d°u  Schutzzöllnern  sympathischer,  als  alle  anderen  Volkswirtschaftler
, er  liberalen  Schule.  Und  zwar  aus  folgendem  Grunde.  Seine  Theorie
defert  ihnen  ein  ausgezeichnetes  Argument.  Sobald  es  nämlich  Angebot
jmd  Nachfrage  ist,  wodurch  die  Vorteile  des  internationalen  Handels
'-'stimmt  werden,  ist  es  nicht  unmöglich,  daß  ein  Land  durch  geschickte
olitik  dieses  Gesetz  zu  seinem  Vorteil  wenden  kann,  indem  es  Industrien
ervorruft,  deren  Erzeugnisse  mehr  nachgefragt  sind,  und  deren  Nachfrage
Sl °h  am  ehesten  dazu  eignet,  durch  eine  Preiserniedrigung  vermehrt  zu
y’ er( len.  Stuart  Mill  macht  den  Schutzzöllnern  ein  noch  bedeutenderes
mgeständnis,  wenn  er  nachweist,  daß  die  Einfuhrzölle  nicht  immer  vom
er braucher  in  der  Form  einer  Preiserhöhung  getragen  werden,  sondern
, n  gewissen  Fällen  auf  das  Ausland  abgewälzt  werden  können,  namentlich
11  dem  Falle,  wo  das  eingeführte  Erzeugnis  auf  einem  Monopolpreise  stand,
ß-  edle  Weine  (Buch  V,  Kap.  IV,  §  6  gegen  Ende) 2 ).

l )  „Es  scheint  mir,  daß  diejenigen  Länder  Werden,  und  die
Pßegen,  deren  Erzeugnisse  vom  Auslande  am  Hieraus  ergibt  sich  unter  anderen,
gelbst  am  wenigsten  ausländische  Produkte  biauc  •  wen igsten  an  einer  ge-'Uß
  die  reichsten  Länder  cetens  P anbus  .  n .  denn  es  ist  wahrscheinlich,
Sebenen  Menge  ausländischen  Handels  ge  ’ nden  haben,  daß  sie  auch
sie  eine  stärkere  allgemeine  Nachfrage  nac  aufweisen  werden,  und  so  zu
p'tte  stärkere  Nachfrage  nach  fremden  Gegens  verändern“  (B.  III,  Kap.
'hrem  eigenen  Nachteile  die  Bedingungen  des  Ausausc  ,  (ft  given  amount):  sie
§  8).  Man  achte  auf  die  Worte:  „an  einer  jregebei“  .  vorteilhaften  Tauschsatz
Sollen  besagen,  daß,  wenn  das  reiche  Lan  e  tzdenli  da  es  viel  mehr  1  ausch-Ur
  seine  Erzeugnisse  hat  als  das  arme  Lan  ,  (j esam theit  der  Täusche  gewinnt.
Iterationen  als  das  arme  Land  macht,  me  r  dem  reichen  Lande  und  mit
übrigens  sagt  das  Stuart  Mill  ausdrücklich.  ^  n  tfnd  dem  Meinen  Krämer:
<:ni  armen  Lande  dasselbe  wie  mit  dem  g r  „, pn i ee r  aber  im  Ganzen  viel  mehr.
***  verdient  das  erstere  auf  jeden  Gegenstand  weniger,
J )  Principles,  B.  II,  S.  125,  franz.  Ubers.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.