Full text: Die Frau und die Arbeit

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gezählte oder selbst nur einige Generationen hindurch wei 
ter entwickeln könnten, ohne durch Vererbung eines auf 
das andere rückzuwirken, so müßte es ohne weiteres zuge 
geben werden, daß eine solche Entwicklung schließlich zu 
einer Trennung führen müßte. 
Die Entwicklung bestimmter Zweige der Menschheit hat 
bereits zu solch einer Trennung von Rassen und Klassen, 
die sich in total verschiedenen Entwicklungsstadien befin 
den, geführt. Die Kluft zwischen ihnen ist eine so weite, 
daß selbst die niedersten Formen der Geschlechtsanzie 
hung sie kaum überschreiten und die höheren Arten gei 
stigen und seelischen Geschlechtsempfindens sie unmöglich 
überbrücken können. In der Welt des Geschlechtslebens 
sucht Gleiches nach Gleichem, und eine zu große Ungleich 
heit schließt die hohem Formen des Geschlechtsempfin 
dens und oft selbst die niedern rein tierischen aus. 
Könnte man eine Anzahl höchst entwickelter Frauen — 
George Sands, Sophia Kowalewskas, oder selbst nur mit 
telmäßig gebildeter Frauen einer hochentwickelten Rasse — 
auf einer Insel aussetzen, auf der keine andern Männer als 
Feuerländer leben, die mit ihren vorstehenden Kiefern und 
verfitztem Haar sie unter wildem Geschrei und mit Keulen 
schlägen empfingen, so würden die Frauen ihnen gegen 
über solches Grauen empfinden, daß nicht nur das Ge 
schlecht sich nicht fortpflanzen könnte, sondern sie alle den 
Tod einer geschlechtlichen Annäherung vorziehen würden. 
Nicht viel weniger ausgesprochen wäre die geschlechtliche 
Scheidung, wenn wir uns an Stelle der gebildeten entwik- 
kelten Frauen Männer derselben Entwicklungsstufe den 
tiefstehendsten Arten von Weibern gegenübergestellt den 
ken. Ein Darwin, ein Schiller, ein Keats, obwohl lauter 
Männer, die des stärksten Geschlechtsempfindens und der 
dauerndsten Geschlechtsliebe fähig waren, würden wahr 
scheinlich kein anderes Gefühl als Grauen gegenübereinem 
Kreis von Buschmänninnen empfinden, die mit fettigen
	        
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