Full text : Die Frau und die Arbeit

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trugen  es  in  unseren  Armen,  durch  uns  ward  es  gebildet,
ernährt  und  bekleidet.  Mühsamer  und  endloser  war  unsere
Arbeit  als  jene  des  Mannes,  und  dennoch  klagten  wir  nie,
daß  sie  uns  zu  schwer  fiele.  Während  der  wilde  Mann  im
Sonnenschein  auf  seinen  Fellen  lag,  ausruhte,  um  neue
Kräfte  für  Jagd  und  Krieg  zu  sammeln,  oder  seine  todbringenden ­
  Waffen  schnitzte,  aß  und  trank  er,  was  unsere
Hände  für  ihn  bereitet  hatten.  Und  wenn  wir  über  unserem
Mühlstein  knieten  oder  die  Felder  auf  harkten,  vielleicht
mit  einem  Kinde  im  Leibe  und  einem  andern  auf  dem
Rücken,  arbeiteten,  bis  der  junge  Körper  vorzeitig  alterte
—  jammerten  wir  jemals,  daß  die  uns  zugeteilte  Arbeit  zu
hart  sei?  Wußten  wir  nicht,  daß  das  Weib,  das  sich  seiner
Bürde  entledigte,  dem  Manne  glich,  der  in  der  Schlacht
seinen  Schild  wegwarf  —  ein  Feigling  und  Verräter  seines
Volkes?  Der  Mann  kämpfte  —  das  war  seine  Aufgabe;  wir
ernährten  und  zogen  das  Geschlecht  auf  —  das  war  die
unsere.  Wir  wußten,  daß  von  unserer  Arbeit  wie  von  der
des  Mannes  das  Leben  und  Wohlbefinden  des  Volkes  abhing, ­
  das  wir  geboren  hatten.  Wir  ertrugen  unsere  schwere
Arbeit  ruhig,  wie  der  Mann  seine  Wunden,  und  wir  waren
zufrieden.
Dann  kam  wieder  ein  Wandel.  Jahrhunderte  vergingen,
und  es  kam  eine  Zeit,  wo  nicht  mehr  alle  Männer  auf  die
Jagd  oder  in  den  Krieg  mußten,  wo  nur  einer  von  fünf  oder
von  zehn  oder  von  zwanzig  fortwährend  hiervon  in  Anspruch ­
  genommen  wurde;  da  nahm  unser  Gefährte  einen
Teil  unserer  Arbeit  auf  sich;  denn  sein  altes  Arbeitsfeld
bot  nicht  mehr  genug  Beschäftigung.  Auch  er  begann  das
Feld  zu  bebauen,  Häuser  zu  errichten,  Korn  zu  mahlen,
oder  seine  Sklaven  mußten  es  tun;  und  die  Harke,  die
Töpferscheibe  und  sogar  der  Mahlstein,  den  wir  zuerst  aufgelesen ­
  und  geglättet  hatten,  um  die  Nahrung  unserer  Kinder ­
  zu  mahlen,  alles  ging  von  unseren  Händen  in  die  seinen ­
  über.  Das  alte  schöne  Leben  im  Freien  hatte  für  uns
            
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