Full text : Inflation und Geldentwertung

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Die  Finanzwirtschaft  während  des  Krieges  usw.

Dann  kann  auch  die  —  vielleicht  nicht  immer  beabsichtigte  —
schiefe  Vorstellung  nicht  aufkommen,  als  ob  irgendeine  Menge
Geldes  (im  engeren,  weiteren  und  weitesten  Sinne)  mechanisch  auf
die  Preisgestaltung  einwirke.  Mit  der  Gleichsetzung  von  Inflation
und  aufgeblähter  Kaufkraft  der  Einzelwirtschaften  wird  verdeutlicht, ­
  daß  die  Einwirkung  auf  die  Preise  von  dem  Subjekt  des  Käufers ­
  und  Verkäufers,  über  diese  Personen  und  durch  diese  Personen
erfolgt.  Deren  Fähigkeit,  zu  kaufen  und  zu  verkaufen,  hat  in  der
deutschen  Kriegswirtschaft  eine  eigentümliche  Ausbildung  erfahren,
nämlich  in  der  Richtung,  daß  diese  Kauffähigkeit  eine  außerordentliche ­
  Steigerung  erfahren  hat,  daß  die  Kaufkraft  zahlreicher
Einzelwirtschaften  gegenüber  den  zu  kaufenden  Gütern  aufgebläht
worden  ist.  Ob  aber  von  dieser  Kauffähigkeit  und  Kaufkraft  wirklich ­
  Gebrauch  gemacht  wird,  hängt  nicht  allein  von  der  Menge
Geldes  ab,  über  die  die  Wirtschaften  verfügen,  sondern  auch  von
dem  Willen  der  die  Wirtschaft  leitenden  Personen,  diese  gehobene
Fähigkeit,  zum  Kaufen,  auch  wirklich  im  gegebenen  Augenblick  zum
Kaufen  zu  verwenden.  Ob  und  wie  die  Kaufkraft  verwendet  wird,
ist  aber  —  wie  in  der  wissenschaftlichen  Literatur  stets  betont  -wird
—  in  erster  Linie  entscheidend  für  die  Preisgestaltung.  Davon  ist  in
den  folgenden  Abschnitten  noch  die  Rede.  Aus  den  dortigen  Ausführungen ­
  wird  zugleich  hervorgehen,  in  welchem  Maße  die  Scheidung
zwischen  Einkommen  und  Vermögen  (der  Grundlage  der  Kaufkraft), ­
  zwischen  Bargeld,  Kredit  und  Kapitalanlage,  die  im  Frieden
ein  Hin  und  Her  in  engen  Grenzen  hielt,  während  des  Krieges  fast
vollkommen  verwischt  worden  ist.
Wenn  man  die  Vorgänge  so  ansieht,  dann  verliert  auch  die
Gegenüberstellung  der  zahlenmäßigen  Steigerung  des  Kotenumlaufs
und  der  Preise  jegliche  Bedeutung.  Denn  erstlich  ist  der  Umlauf
an  Papiergeld  von  allerhand  Zufälligkeiten  abhängig,  die  man  zwar
Schaftstheorie  überhaupt  für  möglich,  weil  in  seinem  Sinne  Kapital  und  Vermögen ­
  Geldrechnungsbegriffe  darstellen.
Endlich  finde  ich  auch  bei  Liefmann  an  einigen  wenigen  Stellen  das
Wort  Kaufkraft;  so  auf  S.  72:  der  Staat,  der  Papiergeld  ausgibt,  schafft  sich
eine  künstliche  Kaufkraft  ...  S.  90:  zusätzliche,  nicht  aus  dem  regulären
Tauschverkehr  stammende  Kaufkraft  ...  S.  96:  Nur  auf  die  künstliche  Kaufkraft ­
  kommt  es  hinsichtlich  des  Einflusses  auf  die  Preise  an  .  .  .  Und  S.  72:
Hier  auf  wirtschaftende  Subjekte  bezogen,  ist  dieser  Ausdruck  (nämlich:  Kaufkraft), ­
  den  man  bisher  nur  auf  Objekte,  bzw.  sogar  auf  den  eigentlichen  abstrakten ­
  Geldbegriff  anwendete,  unbedenklich...  M.  E.  ist  er  aus  den  angeführten
Gründen  der  allein  zutreffende.
            
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