Full text : Inflation und Geldentwertung

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Die  Finanzwirtschaft  während  des  Krieges  usw.

nisvoller  Bedeutung  geworden.  Selbst  unter  Berücksichtigung  der
Abwälzungsmöglichkeit  und  des  Produktionsinteresses,  das  während
der  intensiven  und  extensiven  Kriegführung  der  letzten  Jahre  eine
große  Rolle  spielte,  hätte  eine  rechtzeitigere  und  schärfere  Besteuerung ­
  zweifellos  eine  wohltätige  Wirkung  auf  die  Preisgestaltung
auszuüben  und  wenigstens  die  großen  Übertreibungen  in  den
Preissteigerungen  zu  hindern  vermocht.  Ob  eine  solche  Steuerpolitik ­
  angesichts  der  sich  aus  dem  bundesstaatlichen  Charakter
des  Reiches  ergebenden  überlieferten  Schwierigkeiten  möglich  war,
ist  hier  nicht  zu  entscheiden.
Die  von  dem  Reichsfinanzminister  Schiffer  im  März  1910
in  der  Nationalversammlung  angekündigten  neuen  Steuervorlagen
lassen  erkennen,  daß  man  den  Fehler  durch  energisches  Anfassen
der  Einkommen  und  Vermögen  wieder  gutzumachen  gewillt  ist.
Freilich  zwingt  die  Not  des  Reiches  zu  außerordentlichen  Mitteln.
Wie  jedoch  der  Reichsfinanzminister  ausdrücklich  betonte,  sollen
die  scharfen  direkten  Steuern,  die  er  zu  bringen  gedenkt,  auch
der  Senkung  der  Preise,  der  Minderung  der  Kaufkraft,  der  Eindämmung ­
  der  Inflation  dienen.  Wie  weit  diese  Annahme  zutreffen
wird,  wird  im  2.  Teil  unter  den  steuerlichen  Maßnahmen  zum  Abbau ­
  der  Preise  zu  erörtern  sein.
TI.  Inflation  und  Wechselkurse.
].  In  der  deutschen  Kriegswirtschaft  war  also  eine  gewaltige
Kaufkraftsteigerung  sowohl  des  Reichs  (auf  Grund  der  in  Anspruch
genommenen  Kredite)  als  auch  zahlreicher  Einzelwirtschaften  (auf
Grund  ihrer  Einkommens-  und  Vermögensmehrungen)  eingetreten
und  infolge  der  geschilderten  Steuerpolitik  mehr  oder  weniger  in
der  deutschen  Kriegswirtschaft  verblieben.  Welche  Rückwirkung
diese  Kaufkraftsteigerungen  auf  die  inneren  Wirtschaftsverhältnisse
ausgeübt  hatten,  ist  gleichfalls  dargelegt  worden.  Es  bleibt  noch
zu  fragen,  ob  und  wie  sich  die  Inflation  auf  die  außenwirtschaftlichen ­
  Beziehungen  der  deutschen  Kriegswirtschaft  geäußert  hat.
In  der  Theorie  lassen  sich  diese  Verbindungslinien  leichter  erkennen, ­
  als  sie  in  der  Praxis  nachzuweisen  sind.  Noch  schwieriger
als  bei  den  Inlandspreisen  ist  aber  hier  das  Ausmaß  dieser  Einwirkung ­
  zu  bestimmen.
Die  außenwirtschaftlichen  Beziehungen  der  deutschen  Volkswirtschaft ­
  erhalten  ihren  rechnerischen  Ausdruck  in  der  Gestaltung
            
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