Full text: Inflation und Geldentwertung

Vorbemerkung. 
1. Weitgehende Übereinstimmung dürfte heute darüber be 
stehen, daß die Preissteigerungen, unter denen die deutsche Be 
völkerung so schwer zu leiden hat, nicht ausschließlich, ja nicht 
einmal in der Hauptsache aus dem Mangel an Waren zu erklären 
sind. Gewichtige, wenn nicht ausschlaggebende Gründe für die 
gewaltigen Preiserhöhungen müssen vielmehr auch auf seiten der 
Kriegsfinanzwirtschaft — um nicht gleich zu Anfang dieser Dar 
stellung das vieldeutige und daher leicht mißverständliche Wort: 
Geld verwenden zu müssen — gesucht werden. 
Der Gedankengang, der zu dieser, heute vorherrschenden An 
sicht führt, ist der folgende: während des Krieges standen dem 
Hauptkäufer am Markte der Güter (im weitesten Sinne des Wortes) 
standen dem Reich, als dem Finanzier des einzig dastehenden 
Kriegsunternehmens, zum Ankauf des riesenhaften Heeresbedarfs 
stets reichliche Geldmittel zur Verfügung. Der Heeresverwaltung, 
in deren Händen die Beschaffung der Güter lag, kam es, insbe 
sondere in der ersten Zeit des Krieges, gar nicht auf die Höhe der 
von ihr bewilligten Preise an. Die Hauptsache war die Erlangung 
bestimmter Güter, die für die Kriegführung erforderlich waren. 
Wie Reichsfinanzminister Schiffer in seiner Rede vom 15. Fe 
bruar 1919 vor der Nationalversammlung ausgeführt hat, sind 
damals sogar zahlreiche Industriefirmen in nicht geringe Ver 
legenheit gekommen, ob sie die ihnen von der Heeresverwaltung 
angebotenen Preise ohne weiteres annehmen sollten. Diese „An- 
reiz“-Politik fand ihren Höhepunkt in der Durchführung des so 
genannten Hindenburgprogramms, durch das die Erzeugung von 
Kriegsmaterial ohne Rücksicht auf die Preise und auf die sonstigen 
Bedürfnisse der Volkswirtschaft um das Doppelte und Dreifache 
des bisherigen Umfangs gesteigert wurde. 
Die Heeresverwaltung konnte die hohen und ständig steigenden 
Preise deshalb so großzügig bewilligen, weil die Geldmittel dafür 
Prion, Inflation und Geldentwertung. 1
	        
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