Full text : Die Hansestädte und die Kontinentalsperre

—  20  —
Zollbeamten  wurde  eingeschärft,  daß  sie  ihr  Augenmerk  nur  auf
englische  Waren  zu  richten  hätten,  daß  das  Warenregister  des
französischen  Zollgesetzes  nicht  ohne  weiteres  auf  diese  Gegenden
anzuwenden  sei,  indem  z.  B.  in  Frankreich  jedes  importierte  Tuch
aus  England  stamme,  während  man  hier  Unterschiede  zu  beobachten
habe;  überhaupt  sollten  die  Zollbeamten  stets  bedenken,  daß  sie
sich  nicht  innerhalb  der  französischen  Grenzen,  sondern  in  einem
befreundeten  Lande  befinden,  auf  dessen  Handel  Rücksicht  genommen
werden  müsse.  Wo  es  ging,  wurde  die  Tätigkeit  der  Zollbeamten
erschwert  oder  vereitelt.  Statt  z.  B.,  wie  es  Vorschrift  und
zweckentsprechend  war,  einen  Douanier  auf  die  in  die  Elbe  einlaufenden ­
  Schiffe  zu  setzen,  der  sie  von  Stade  bis  Hamburg  begleiten ­
  und  etwaige  Betrügereien  verhindern  sollte,  befahl  Brune,
daß  diese  Aufsicht  von  unwissenden  Matrosen  oder  Soldaten  ausgeübt ­
  werde.  Eine  Zeitlang  zwang  er  sogar  den  Zollinspektor
Endel  die  Zolllinie  Travenlünde—Harburg—Srade  aufzuheben
und  seine  300  Zollwächter  in  Stade  und  Cuxhaven  zusammenzuziehen. ­
  In  der  Zwischenzeit  bewerkstelligte  sich  der  Schmuggel
natürlich  mit  größter  Bequemlichkeit.
Die  Aufdeckung  dieser  Dinge  hatte  zur  Folge,  daß  Brune  am
23.  Juli  1807  abberufen  wurde.  Aber  auch  mit  seinem  Nachfolger
Bernadotte  war  Napoleon  nicht  zufrieden;  er  warf  ihm  später
vor,  daß  er  „in  Hamburg  viel  Geld  gemacht  habe".  Tatsächlich
fand  sich  Bernadottes  Namen  auf  einer  Liste  derjenigen  Franzosen,
die  vom  Hamburger  Senat  mit  „Geschenken"  bedacht  waren.
Auch  bei  einem  Verkauf  konfiszierter  Schiffe  in  Lübeck  wies  ihm
de  Dournon  Unterschlagungen  nach.  Die  Kaufleute  hatten  den
leutseligen  „Prinzen  von  Ponte-Corvo"  gern  und  sahen  nur  mit
geheimem  Schmerz  den  Tafelluxus,  den  er  trieb  und  den  sie  aus
ihrer  Tasche  bezahlen  mußten.  Seine  Verpflegung  kostete  täglich
1000  fr.,  die  aller  höheren  Offiziere  im  Monat  über  100000  fr.
Das  sicherste  Mittel,  den  Schmuggel  zu  verhüten,  so  erklärte
de  Tournon  in  feinem  Bericht,  sei,  die  holsteinischen  Häfen,
Tönning,  Kiel,  Glückstadt,  Husum  zu  besetzen.  Ginge  dies  aber
aus  politischen  Gründen  nicht  an,  so  müsse  man  wenigstens  den
sachverständigen  Zollbeamten  die  Aufsicht  allein  überlassen,  ihnen
volle  Freiheit  des  Handelns  geben,  und  Militär  und  Gensdarmerie
anweisen,  nur  auf  Verlangen  der  Douane  einzugreifen,  im  übrigen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.