Das Geld.
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Wenn wir in der Bibel lesen, daß Abraham oder Hiob sehr
reich waren, daß sie große Schafherden und sehr viele Knechte
hatten, so sagt uns das nicht viel über ihr Vermögen. Wäh
rend wir hingegen heutzutage auf den Pfennig genau wissen,
welches das Vermögen eines x-beliebigen Mitbürgers ist. Der
Fiskus weiß es auch, und das ist sehr gut für ihn; denn was
würde er tun, wenn er nicht ein Präzisionsinstrument besäße,
mit dem er die Einkommensteuern berechnen kann? Und nicht
nur für den Fiskus ist diese Messung unentbehrlich; sie ist es
auch für jeden „Geschäftsmann". Was tut der Kaufmann?
Er berechnet nach seinem Buche den Einkaufspreis seiner
Ware, dann den Verkaufspreis: er berechnet den Unterschied
zwischen diesen beiden Zahlen — und der Unterschied bildet
seinen Nutzen oder Gewinn.
Ohne das Geld ist die Ermittlung des richtigen Preises
unmöglich, und ich verstehe richtigen Preis nicht nur im
arithmetischen Sinne, wie wenn man sagt: die Rechnung ist
richtig — ich verstehe es im moralischen Sinn. In den afrika
nischen Ländern, wo dieses genaue Geldmaß noch nicht existiert,
wo man noch beim Tauschhandelssystem ist, kann der Handel
nur vor sich gehn, indem man gewaltige Unterschiede zwischen
dem Einkaufs- und Verkaufspreis macht, d. h., indem man die
Waren drei oder viermal über ihren Wert verkauft. Und
wenn die Schwarzen Opfer der schamlosesten Ausbeutung
lind, so ist daran teilweise der Mangel an Geld schuld, das
die Festsetzung eines richtigen Preises gestatten würde. Pie
Einführung des Geldes bedeutet für sie eine Befreiung.
Das Papiergeld. Was macht den Wert des Geldes? Ich
habe soeben auseinandergesetzt, aus welchen Gründen das
Goldgeld den anderen Gütern überlegen ist — weil es erlaubt,
alles, was man sich wünscht, zu erwerben, weil es erlaubt,
die Arbeit anderer zu beherrschen und weil es von persönlicher
Arbeit befreit, weil es gestattet, ins Unendliche den Wert auf
zuspeichern — das versteht sich! Aber warum besitzt es alle
diese Eigenschaften?
Ich habe gesagt, daß Gold und sogar Silber als Geld
ausgewählt worden seien, weil sie schön waren und zu allen
Zeiten den Gegenstand menschlicher Wünsche gebildet hatten,
sowohl als Schmuck für die Frauen wie als Kronen für die
Könige. Es ist noch ebenso in jenen orientalischen Ländern, in
denen das Gold- oder Silberstück zugleich als Tausch- und
Schmuckmittel dient, und wo die Mitgift der Mädchen aus