Full text: Die Textilindustrie sämtlicher Staaten

Produktion. 
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Wollindustrie. Die Wollindustrie ist im Verhältnis zur Baumwoll- und Seiden 
industrie unbedeutend; nur einzelne Zweige, wie die der Wollmusseline, haben 
sich stärker entwickelt. Außerdem werden in staatlichen Fabriken Militär- 
und sonstige Tuche, sowie Decken, Serges und Flanelle hergestellt. Da Roh 
wolle im Inlande nicht gewonnen wird, gelangt diese aus dem Auslande zur 
Einfuhr, und zwar zum großen Teil in gewaschenem Zustande oder als Kammzug. 
In den letzten Jahren wurde mit dem Bau von Wollkämmereien begonnen, 
um die Einfuhr von Kammzug entbehrlich zu machen; eine Fabrik in Osaka, 
die früher mit Verlust arbeitete, konnte im ersten Kriegsjahre 12 Proz. Dividende 
verteilen. 
Nach einer amtlichen Aufstellung erzeugte die Wollweberei im Jahre 190Q: 
Musseline 23,3 Mill. Mk. Serges 1,5 Mill. Mk. 
Tuche 3,8 „ „ Flanelle 0,8 „ „ 
Decken 2,2 „ „ Vorhänge und Schale 0,8 „ „ 
Über die Aussichten des Tuchimports nach Japan äußert dich das deutsche 
Generalkonsulat in Yokohama wie folgt 1 ): 
Was die Zukunft des Tuchimports nach Japan anlangt, so ist vorerst nicht 
anzunehmen, daß er durch die Zollerhöhung nachteilig beeinflußt werden wird. 
Die japanischen Webereien sind zurzeit noch nicht imstande, selbst ungemusterte 
Tuche besserer Qualität, insbesondere gute Uniformtuche anzufertigen. Mit der 
Herstellung von gemusterten Anzugstoffen aber haben sie bisher nicht einmal 
ernstliche Versuche gemacht, da die Nachfrage nach ihnen immerhin nicht groß 
genug ist, daß es sich lohnte, diese der Mode stark unterworfenen Tuche in 
zahlreichen verschiedenen Dessins zu weben. 
Nach Ansicht des „Japan Trade Journal“ steht daher zu erwarten, daß die 
Einfuhr wollener und halbwollener Tuche in den nächsten acht bis zehn Jahren 
noch fortgesetzt zunehmen werde. Interessant, meint die Zeitung, werde es sein, 
den Wettbewerb zwischen England und Deutschland in diesem Importzweige 
zu beobachten, und fügt hinzu: „Hinsichtlich der Qualität der Tuche behauptet 
England den ersten Platz; soweit aber Preis und Anpassung an den japanischen 
Geschmack in Frage kommen, scheint Deutschland in höherer Gunst zu stehen.“ 
Seidenindustrie. Die Entwickelung der Rohseidengewinnung ist bereits bei 
den Rohstoffen besprochen worden. 
Die Produktion der Seiden- und Halbseidengewebe ist aus nachstehender 
Aufstellung zu ersehen: 
Produktionswert in Millionen Mark 
Jahr 
Habutae- 
gewebe 
Crepe 
Mon-ori 
Ka'iki 
Sonstige 
Seiden 
gewebe 
Halbseiden 
gewebe 
Insgesamt 
1901 
62,7 
16,4 
11,5 
9,2 
44,4 
25,0 
169,2 
1910 
96,0 
24,7 
11,3 
9,2 
85,7 
51,9 
278,8 
t) Nachrichten für Handel und Industrie 1913, Heft 64-
	        
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