Full text: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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10. Ignaz Auer zur Zeit seiner 
Tätigkeit am „Vorwärts" 
peitschung des neuen Zolltarifs und der. 
Umsturz der Geschäftsordnung 
des Reichstags von seiten der kon 
servativ - klerikalen Reichstagsmehrhei 
— aktuell geworden. Für die von ihr 
geübte Obstruktion sprach der Kon 
greß der sozialdemokratischen Fraktior 
in einer besonderen Resolution Dan! 
und Anerkennung aus. 
Bremen (18. bis 24. September 
1904). Der Kongreß setzt eine Kom 
mission zur Revision des Organi 
sationsstatuts der Partei ein, be 
schließt eine von Lindemann be 
antragte Resolution überK o m m u n a l 
Politik, ein von Bebel beantragter 
Tadels votum gegenMaxSchippe. 
wegen der Art der Behandlung der 
Frage der Lebensmittelzölle in 
Wort und Schrift, ferner eine Reso 
lution, die Kampf gegen den Alko 
Holismus verlangt, eine Resolution für Befreiung der Volksschul 
aus ihrer Stellung als Magd der herrschenden Klassen, und beauftragt di - 
Reichstagsfraktion, Anträge auf Beseitigung der Ausnahmegesetz 
gegen Landarbeiter und auf Schaffung eines Fremdenrechts ein 
zubringen. 
Jena (17. bis 23. September 1905). Der Kongreß beschließt ein 
neues Organisationsstatut, das die sozialdemokratischen Vereine 
der Reichstagswahlkreise zur Grundlage der Parteiorganisation nimmt 
und nur, wo keine solche Organisation möglich ist, sowie für Frauen das 
System der Vertrauenspersonen aufrecht erhält. Er nimmt in einer von 
Bebel begründeten Resolution nach eingehender Debatte zum politischen 
Massenstreik bejahend Stellung, drückt den Sozialisten und Arbeiter i 
im Kampf für die Revolution in Rußland seine Sympathie aus. 
Er beauftragt die Reichstagsfraktion, Gesetzentwürfe für Pandelshilfs 
arbeiter, für Änderung des Militärstrafgesetzes, für Demokrati 
sierung Elsaß-Lothringens, für Trennung von Staat und Kirche 
einzubringen, sowie fortan, statt für paritätische Arbeitskammern, für Arbeiter 
kammern einzutreten, und bekräftigt, nach lebhafter Debatte, die von Kon 
greß zu Kongreß erneute Resolution, welche zur Feier des ersten Mci 
durch Arbeitsruhe auffordert. Ein Teil der Redner hatte dafür ge 
sprochen, die Frage einer Abänderung der Maifeier in Erwägung z i 
ziehen, weil die Arbeitsruhe den Gewerkschaften zwecklose Opfer aufhals. 
Ein Pressestreit zwischen der Redaktion der „Neuen Zeit" und d r 
Redaktion des „Vorwärts" wird durch eine Resolution erledigt, die an 
erkennt, daß der Streit sich um sachliche Fragen drehte, aber den Ton, in 
dem er geführt wurde, mißbilligt, und die Parteischriftsteller auffordei, 
ihre Tätigkeit in erster Linie der Austlärung der Genossen und der B .• 
kämpfung der Gegner zu widmen.
	        
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