Full text : Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

Es  sind  am  30.  April  1900  auf  10  000  der  erwachsenen  Bevölkerung
ermittelt:
in  Berlin  141,94  Männer  45,37  Weiber
„  17  Städten  mit  mehr  als

100  000  Einwohnern  .  .
„  42  Städten  mit  30  000

99,87

27,80

bis  100  000  Einwohnern

58,40

17,60

„  47  Städten  mit  weniger

als  30  000  Einivohnern.

45,05  „

16,89

zusammen  in  107  Städten

03,11

28,26

in  den  übrigen  Städten  und

Landgemeinden....

7,95  „

2,72

Auf  10  000  erwachsene  Männer  kommen  also  in  Berlin  141,04
venerische  Männer,  und  auf  10  000  erwachsene  Frauen  45.4
venerische  Frauen,  auf  dem  Lande  dagegen  7,95  Männer  und
2,72  Frauen.
5,46  Millionen  der  erwachsenen  Bevölkerung  von  107  Städten
Preußens  wiesen  auf  32  064  Venerische,  16,68  Millionen  der  erwachsenen ­
  Bevölkerung  des  übrigen  Landes  wiesen  auf  8838
Venerische.
Die  Geschlechtskrankheiten  eines  Distrikts  hängen  auf  das  Engste
mit  der  Entwickelung  des  Prostitutionswesens  dieses  Distrikts  zusammen. ­
  Mittlere  Fabrikstädtc,  in  denen  die  Prostitution  gar  nicht
oder  nur  vereinzelt  auftritt,  sind  für  die  Geschlechtskrankheiten  ein
unfruchtbarer  Boden.
Es  kamen  auf  10  000  Erwachsene,  also  auf  10  000  erwachsene

Männer  und  Frauen:

Venerische

erwachsene
Bevölkerung

in  Berlin

1  271  977

„  der  Fabrikstadt  Remscheid  .  .  .

.  .  12,21

35  208

Oberhausen  .  .

.  .  19,80

22  726

„  „  „  Spandau  .  .  .

.  .  14,89

38  961

,,  „  Duisburg  .  .  .

.  .  24,67

52  697

„  „  Mülheim  a.  Rh.  .

.  .  21,37

26  670

Industriestädte  über  100  000  Einwohner  sind  durchweg  mit
starken  Prozentsätzen  von  kaufmännischen  Berufsangehörigen  und
von  Mitgliedern  der  liberalen  Gesellschaftsklasse  durchsetzt.  Sie  enthalten, ­
  wie  z.  B.  die  Großstadt  Essen,  einen  blühenden  Handel  mit
Manufaktur-,  Weißwaren  und  Wollwaren  usw.  Sie  sind  die  Sitze
von  Garnisonen  oder  Mittelpunkte  des  Fremdenverkehrs.  Große
Gruppen  des  Beamtenstandcs  wohnen  vielleicht  dort,  oder  höhere
Bildungsanstalten  scharen  an  diesen  Orten  viele  unverheiratete  junge
Leute  um  sich.  Kurz,  nicht  die  Arbeiterklasse  allein  drückt  diesen
Städten  ihr  Gepräge  auf.
            
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