Full text : Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

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sucht  wird,  sind  in  Charlottenburg  überwiesen:  alle  Prostituierten
vom  beginnenden  25.  Lebensjahre  bis  zum  vollendeten  34.  Lebensjahre, ­
  soweit  sie  nicht  der  ersten  Klasse  zugeteilt  sind.  Der  dritten
nur  alle  vierzehn  Tage  untersuchten  Klasse  der  Prostituierten  werden
unterstellt:  die  über  34  Jahre  alten  Prostituierten,  soweit  sie  nicht
in  die  erste  Klasse  eingereiht  sind.  Die  Versetzung  der  Prostituierten
von  einer  Klasse  in  die  andere  erfolgt  durch  Verfügung  der  Sittenpolizei. ­

Unter  den  Axtschlägen  selbst  der  Anhänger  der  Reglementierung
der  Prostitution  ist  die  sanitätspolizeiliche  Kontrolle  zusammengebrochen ­
  Kein  geringerer  als  Professor  Neisser-Breslau,  die  erste
Autorität  auf  dem  Gebiete  der  Bekämpfung  der  Geschlechtskrankheiten, ­
  hat  das  folgende  Vernichtungsurteil  über  das  heutige  sanitätspolizeiliche ­
  Kontrollsystem  gefällt:  „Die  Kontrolle,'"  so  führte  er  in
seinem  Referate:  „Nach  welcher  Richtung  läßt  sich  die  Reglementierung ­
  der  Prostitution  reformieren?"  „die  Kontrolle  ist  nur'  eine
Untersuchung,  keine  Behandlung;  in  Krankheitsfällen  erfolgt  jetzt
eine  sofortige,  einer  Verhaftung  gleichende  Ueberführung  ins  Krankenhaus. ­
  Wegbleiben  von  der  „Kontrolle"  wird  bei  Gesunden  mit  Haft
und  sehr  bald  mit  Ueberweisung  an  die  Landespolizeibehörde  bestraft. ­
  Gerade  die  kranken  Prostituierten,  die  naturgemäß  die
Ueberführung  in  ein  Krankenhaus  fürchten,  entziehen  sich  deshalb
dieser  Kontrolle  nach  Möglichkeit  und  vagieren  heimlich  weiter,-  oder
sie  verlassen  die  Stadt,  um  der  zwangsweisen  Internierung  im
Krankenhause  zu  entgehen.  Die  sanitäre  Ueberwachung  der  unter
Kontrolle  gestellten  Personen  wird  nicht  in  der  Wesse  ausgeführt,
daß  die  Untersuchung  auch  nur  einigermaßen  eine  Gewähr  für  die
Nichtinfektiositäb  der  Untersuchten  böte.  Verhältnismäßig  zuverlässig ­
  ist  die  Untersuchung  auf  Ulzerationen  und  Syphilis,  ganz
unzureichend  aber  mit  Bezug  auf  die  Trippererkrankungen.  Der
wesentlichste  Grund  für  diese  Unvollkommenheit  ist  der  Mangel  an
Aerzten,  die  diese  zeitraubende  Untersuchung  durchführen  könnten.
Da  aber  das  Männerpublikum  an  einen  Nutzen  der  ärztlichen
Kontrolluntersuchungen  glaubt,  so  steigert  die  Kontrolle  geradezu  die
von  den  Prostituierten  ausgehenden  hygienischen  Gefahren,  indem
sie  Männer  dazu  verleitet,  gerade  Prostituierte,  „weil  sie  unter
Kontrolle  stehen",  zuin  Geschlechtsverkehr  zu  benutzen."
Professor  Neisser  fordert  mit  ganzem  Nachdruck  eine  Reform
der  heutigen  sanitätspolizeilichen  Kontrolle  der  Prostitution  an
Haupt  und  Gliedern.  Den  Gegnern  dieser  Reglementation  macht  er
so  viele  Zugeständnisse,  daß  man  sich  unwillkürlich  fragt:  Warum
wirft  denn  Professor  Neisser  überhaupt  nicht  die  Idee  der  Reglementation ­
  der  Prostitution  über  Bord?
Von  der  Reformbedürftigkeit  unserer  heutigen  sanitäts-  und
sittenpolizeilichen  Kontrolle  der  Prostitution  ist  auch  Professor,  Lesser
ganz  erfüllt,  der  zu  den  führenden  Köpfen  der  „Deutschen  Gesellschaft
zur  Bekämpfung  der  Geschlechtskrankheiten"  gehört.  Reben  der
            
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