Full text : Untersuchungen über das Versicherungswesen in Deutschland

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I.  Geschäftliche  Versicherung.

dem  Weltmarktpreis,  um  für  diese  Erzeugungskosten  stets  genügend
Spielraum  zu  lassen.  Andererseits  ist  aber  auch  nicht  zu  verkennen,  daß
der  Zahlungstermin  für  die  Nachschußleistung  und  den  Umlagebeitrag
im  Herbst  günstiger  liegt,  als  für  die  feste  Prämie  und  die  Vorprämie,
die  im  Frühjahr  fällig  ist.  Der  Prämienbetrag  kann  bis  zur  Ernte
verwandt  werden,  also  Zinsen  bringen  und  so  zur  Verbilligung  der
Erzeugung  dienen.  Immerhin  wird  der  hierin  liegende  Vorteil  zu  einem
großen  Teile  dadurch  aufgehoben,  daß  auch  die  festen  Prämien  und  Vorprämien ­
  vielfach  ohne  Zinsverpflichtung  gestundet  werden.
Aus  welcher  Betriebsklasse  setzen  sich  denn  nun  in  der  Hagelversicherung ­
  die  Versicherungsnehmer  zusammen?  Die  durchschnittliche
Versicherungssumme  betrug  1910
bei  den  Aktiengesellschaften  ca.  7  000  Mk.
bei  der  Bayerischen  Landesanstalt  „  1  600  „
bei  den  Vorprämien-  und  Nachschußanstalten  .  .  „  5  600  „
bei  den  Gesellschaften  mit  Umlageverfahren  .  .  „  23  000  „
im  Gesamtdurchschnitt  ca.  5  000  Mk.
Legt  man  einen  nicht  gerade  hohen  durchschnittlichen  Versicherungswert ­
  von  400  Mk.  Pro  Hektar  zugrunde  und  berücksichtigt  man  fernerhin,
daß  etwa  50  °/o  der  landwirtschaftlich  benutzten  Fläche  Wiesen,  Weiden,
Gebäudeflächen,  Öd-  und  Unland  usw.  sind,  also  der  Hagelversicherung
nicht  unterworfen  werden  können,  so  entspricht  dieser  Durchschnitt  einem
Betriebe  von  25  da  etwa,  der  nach  der  amtlichen  Statistik  bereits  als
großbäuerlicher  Betrieb  gilt.  Gerade  für  diese  Betriebe  scheint  aber  eine
Stetigkeit  in  der  Prämienzahlung  besonders  erwünscht,  weil  sie  einerseits
alljährlich  intensiver  d.  h.  mit  steigenden  Kosten  arbeiten  müssen,  ohne
entsprechende  Anbauvcrschiebungen  vornehmen  oder  Konjunkturen  in  der
Art  ausnützen  zu  können  wie  die  Großbetriebe,  andererseits  Konsum  und
Arbeitskräfte  weniger  einzuschränken  vermögen,  als  die  Kleinbetriebe.  Von
einer  Abwälzung  der  Hagelversicherungslasten  ist  kaum  zu  sprechen,  da
die  Preisbildung  der  landwirtschaftlichen  Erzeugnisse  dem  Unternehmer
heute  kaum  einen  persönlichen  Einfluß  gestattet,  vielmehr  hauptsächlich
Marktangebot  und  -nachfrage  entscheidend  sind.
Demgegenüber  ist  aber  auch  nicht  zu  vergessen,  welche  ausgleichende
und  wirtschaftliche  Wirkung  die  Entschädigungsleistungen  dem  Versicherung^
nehmer  verursachen.  Wenn  man  annimmt,  daß  ca.  750  000  Personen  1^°
gegen  Hagelschaden  versichert  waren,  und  daß  diese  750  000  Personen  n»r
53  662  403  Mk.  an  Beiträgen  zu  zahlen  hatten,  um  48  980  586  Mk-  slIt
            
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