Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

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Dr.  Edgar  Jaffe.

bedürfnisse  der  Arbeiterschaft.  Selbst  bis  auf  das  Gebiet  der  gemeinsamen ­
  Produktion  greifen  diese  Vereine  hinüber.
Das  Resultat  dieser  Entwicklung  ist  eine  gegenüber  kontinentalen
Verhältnissen  ungemein  günstige  und  gehobene  Stellung  auf  sozialem, ­
  wirtschaftlichem  und  politischem  Gebiet  für  die  oberen
Schichten  der  englischen  Arbeiterschaft,  eine  Stellung,  die  deutsche
Beobachter,  wie  z.  B.  Schulze-Gävernitz,  in  den  achtziger  Jahren
zum  Glauben  veranlaßt  hat,  daß  hier  die  endgültige  Lösung  der
großen  sozialen  Frage  erreicht,  der  soziale  Friede  dauernd  gesichert ­
  sei.
Aber  unter  der  Oberfläche  bereitete  sich  bereits  eine  neue  Entwicklung ­
  vor,  die  mit  dem  Beginn  der  neunziger  Jahre  zuerst  in  die
Erscheinung  tritt,  um  sich  dann  im  zwanzigsten  Jahrhundert  zu  voller
Kraft  zu  entfalten  und  vollkommen  neue  Verhältnisse  zu  schaffen.
Ähnlich  wie  bei  der  vorhergehenden  Periode  sind  auch  hier  die
letzten  Gründe  des  Umschwunges  vor  allem  materiell-wirtschaftlicher ­
  Natur.  Die  wirtschaftliche  Spannkraft  Englands  beginnt
scheinbar  zu  erlahmen.  Die  neue  Generation  wendet  sich  in  ihren
oberen  Schichten  vom  rauhen,  materiellen  Konkurrenzkampf  ab  und
möchte  die  Früchte  der  Arbeit  ihrer  Väter  in  kulturellem  Sichausleben
  genießen.  Gleichzeitig  aber  treten  auf  dem  Weltmarkt  neue
Konkurrenten  auf:  die  technisch  und  organisatorisch  besser  ausgestatteten ­
  neuen  Industrien  Deutschlands  und  der  Vereinigten
Staaten  beginnen  den  Engländern  ihren  Rang  abzulaufen.  Die
Schutzzollbewegung  verschließt  dem  freihändlerischen  England
einen  Markt  nach  dem  anderen.  Die  heimischen  Industrien  der  neuen
Konkurrenten  erobern  sich  zunächst  die  Märkte  ihres  eigenen
Landes,  sie  greifen  dann  über  diese  hinaus  auf  die  neutralen  Märkte
der  Welt  und  beginnen  endlich  sogar  auf  englischem  Boden  der  alteingesessenen ­
  Industrie  Konkurrenz  zu  machen.  Es  kommt  die  Zeit,
wo  die  Bezeichnung  «Made  in  Germany»  den  Durchschnittsengländer
über  die  Bedeutung  dieser  neuen  Konkurrenten  aufzuklären  beginnt.
Die  schärfere  Preiskalkulation  der  neuen  Konkurrenten  und  deren
bessere  technische  Ausstattung  nötigt  den  englischen  Unternehmer,
seine  Preise  herabzusetzen.  Die  hohen  Löhne  und  die  sonstigen  Beschränkungen, ­
  welche  die  Tätigkeit  der  Trade  Unions  den  Unternehmern ­
  auferlegt,  werden  zum  erstenmal  seit  langer  Zeit  als
drückende  Fesseln  empfunden.  Damit  ändert  sich  aber  auch  schnell
            
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